Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
316
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auf die Frage des Kambyses einen für sich selbst si-chern Weg ein, wobey sie dennoch den Gesetzen treubleiben konnten. Sie antworteten: Sie könnten keinGesetz auffinden, welches die Ehe zwischen Bruderund Schwester gestattete, aber sie fänden ein anderes,welches sagte, der König der Perser dürfte alles thun,was er wollte. So Loben sie aus Furcht vor demKambyses das Gesetz nicht auf, aber damit sie sicheben so wenig durch dessen Verteidigung den Unter-gang bereiten möchten, suchten sie ein andres auf,welches seinem Entschlufs, seine Schwester zu heyra-then, günstig war. Er nahm also damals diese Schwe-ster, und bald darauf eine zweyte zur Gemahlinn.Die jüngere von diesen hatte ihn nach Aegypten be-gleitet, und diese war es, die er nun umbrachte.Ihren Tod erzählt man, eben so wie den Tod desSmerdis, auf zwey verschiedene Weisen. Die Helle-nen erzählen, Kambyses hätte einen jungen Löwenund einen jungen Hund miteinander 'kämpfen lassen,und seine Gemahlinn hätte diesen Kampf zugleich mitihm angesehen. Der junge Hund wäre durch den Lö-wen besiegt, worden; der Bruder des Hundes aber hät-te seine Kette zerrissen, um seinein Bruder beyzu-stehen, und so wären sie beyde vereinigt dem kleinenLöwen Meister geworden. Den Kambyses hätte die-ser Anblick ungemein erfreut, aber seine neben ihmsitzende Gemahlinn wäre in Thränen ausgebrochen.Er hätte sie gefragt, warum sie weinte, und sie hät-te, geantwortet: ,,Ich weine, weil ich sah, wie derjunge Hund seinem Bruder Beystand leistete. Dies