Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
202
Einzelbild herunterladen
 

202

die den Hellenen eine Göttergeschichte dichteten, undjedem Gotte seinen Zunamen, die Art seiner Vereh-rung, sein Geschäft und seine Gestalt gaben. Dennalle Dichter, von denen man behauptet, dafs sie vordiesen Männern lebten, haben meiner Meinung nach,erst nach ihnen gelebt. Was ich zuletzt von demHesiod und Homer erzählt habe, sage ich selbst, dasVorhergehende aber die Dodonischen l'riesterinnen.

Lieber die Orakel in Hellas und Libyen bewahren 54die Aegypter folgende Sage. Die Priester des DisThebäus erzählten mir: zwey Priesterinnen wäreneinst von Phöniciern aus Theben entführt, und dieeine davon, wie man vernommen hätte, nach Libyen,die andre nach Hellas hin verkauft worden. DieseWeiber hätten unter den besagten Völkern zuerst jeneOrakel gestiftet. Da ich sie fragte, woher sie diesso sicher behaupten könnten, antworteten sie: siehatten dieser Weiber wegen grofse Untersuchungen an-gestellt und obgleich es ihnen unmöglich gewesenwäre, sie aufzufinden, so hätten sie doch in der Folgedas, was sie mir gesagt hätten, erfahren.

Dies erzählen die Thebäischen Priester. Dagegen 55sagten mir die Dodonischen Wahrsagerinnen, zweyschwarze Tauben wären von Theben in Aegypten aus-geflogen, und die eine davon nach Libyen, die andrezu ihnen hin gekommen. Diese, letztere hätte sich aufeinen Eichbaum niedergelassen, und mit menschlicherStimme gesagt: hier mufs ein Orakel des Dis entstehen.Sie hätten dies für einen göttlichen Befehl gehaltenund ihn befolgt. So erzählten die Dodonischen