Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
151
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199 -Der abscheulichste Gehrauch, den man bey ihnenantrifft, ist dieser: dafs jedes inländische Weih sicheinmal wahrend ihres Lebens in den Tempel der Aphro-dite niedersetzen und sich dort, mit einem fremdenManne einlassen mufs. "Viele der reicheren, die sichnicht mit dem Pöbel gemein machen wollen, fahren inbedeckten Wagen zum Tempel hin und lassen sich voneinem grofsen Trofs von Dienern begleiten, währenddie andern haufenweise in den Vorplatz des Tempelskommen und sich dort mit einer hänfenen Binde umden Kopf, hinsetzen. Einige komineu, andre gehen; siesitzen dort in langen Reihen neben einander, so dafsimmer ein Zwischenraum zum Durchgang für die Frem-den übrig bleibt, damit diese sie nach Gemächlichkeitauswählen können. Sitzt einmal ein Weib dort, sogeht sie nicht eher wieder nach Hause, bis ein Frem-der gekommen ist, ihr Geld in den Schoofs geworfenund sich aufseihalb des Tempels mit ihr eingelassenhat. Wenn der Mann ihr das Geld in den Schoofswirft, mufs er sagen: ich rufe dich auf, im Namen derMylitta *) und sie darf das Geld, so wenig es auchseyn mag, nicht verweigern, denn es kommt in denTempelschatz. Auch folgt sie dem ersten, der ihr dasGeld zuwirft, ohne irgend einen für zu geringe zu ach-ten. Hat er sie aber beschlafen, und hat sie auf dieseWeise der Göttin Genüge geleistet, so geht sie nachHause zurück, und nun würde sie keiner auch durchdie gröfsten Geschenke mehr reitzen, sich seinen Wün-

*) Denn die Assyrier nennen die Aphrodite, Mylitta.