Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
73
Einzelbild herunterladen
 

73

ob die Undankbarkeit bey den Hellenischen Götterngesetzmäfsig wäre?gi Die Lyder giengen hin, und nachdem sie ihren

Auftrag ausgerichtet hatten, soll die l'ylhia ihnen fol-gende Antwort ertheilt haben:Das einmal feslbe-stimmte Schicksal kann selbst ein Gott nicht abwen-den. Krösus tilgt die Schuld seines fünften Ahn-herrn, der einer von der Leibwache der Heraklidenwar, und, durch ein Weib verführt, seinen Herrn er-,.mordete, und sich mit dessen Würde bekleidete, dieihm nicht zukam. Loxias, der dies voraus sah, hatsich bemüht, die Zerstörung Sardens erst die Söhnedes Krösus, und nicht ihn selbst treffen zu lassen;aber hierzu könnte er die Moiren nicht bewegen.Was sie ihm zugestanden, hat er ihm auch verliehen;denn um drey Jahre hat er die Einnahme von Sardisverzögert. Krösus wisse also, dafs er um so vielnach dieser durch das Schicksal bestimmten Zeit erstin Knechtschaft gerathen ist. Dann hat ihm derGott auch in den Flammen beygestanden. Wegender ihm ertheilten Orakel, beklagt sich Krösus mitUnrecht; denn Loxias hat es ihm vorhergesagt, dafser ein grofses Reich zerstöhren würde, wenn er widerdie Perser zu Felde zöge. Deshalb ,'Stte er, wollteer wohl berathen seyn, noch einmal schicken, undden Gott fragen lassen sollen, ob er sein eigenesoder das Reich des Cyrus hierunter verstände. Nunverstand er den Ausspruch nicht, fragte auch nichtfemer um Rath, und ist also selbst an seinem Irr-thume schuld. Auch die Antwort, die ihm Loxias