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Denn da es bey den Lydern und auch bey fast allenandern Barbaren sogar einem Manne scbon grofseSchande bringt, wenn er sich nackt sehen läfst, so be-schlois sie augenblicklich, sich wegen dieser That amKandaules zu rächen, liefs sich nur vorerst nichts mer- nken, und blieb ruhig, bis der Tag anbrach. Dann aberstellte sie alle ihre treusten Hausgenossen in Bereit-schaft, und berief den Gyges zu sich, der auch auf ihrBegehren erschien, weil er nicht vermuthete, dafs sievon dem Geschehenen irgend etwas wüfste, und schonvordem gewohnt war zu erscheinen, wenn die Kö'ni-ginn ihn vor sich foderte. Da er kam, sagte ihm dasWeib : „Nur zwey Wege stehen dir jetzt offen, Gy-„ges, und ich lasse dir die Wahl, welchen von bey-,,den du einschlagen willst. Entweder du tödtest den„Kandaules, und erhältst mich und die Herrschaft über„die Eyder, oder du selbst mufst augenblicklich ster-ben, damit du nicht, von Kandaules zu allem beredet,„ferner noch sehest, was du nicht sehen darfst. Denn„entweder mufs der umkommen, der diesen Anschlag„zuerst ersann, oder du, der mich nackt sah, und sit-tenwidrig handeile." Gyges staunte ihren Worteneine Zeit lang nach, dann beschwor er sie, dafs sieihn doch nicht zu der Entscheidung einer solchenWahl zwingen möchte. Allein er überredete sie nicht,sondern sah würklich die Nothwendigkeit vor sich,entweder seinen Gebieter umzubringen, oder selbst zusterben. Er wählte das erstere, und fragte sie hieraufund sagte: „Da du mich wider meinen Willen zwingst,„meinen Gebieter zu tödten, so lafs mich auch hören,