406und der feurigste Eifer, sich ihrer Macht undHerrschaft zu widersetzen durchdringt; so fühlt ersich doch auch von dem tiefsten Mitleid gegen je-ne durchdrungen. Denn ach! er vergißt es nicht-er ist zu gut und zu edel, um es vergessen zu kön-nen, daß sie Menschen, daß sie seine Brüder sind.Freylich böße lasterhafte, aber eben darum inſeinen Augen deſto unglücklichere, beklagenswuͤr-digere Menschen, die sich selbst durch ihre Gesin-nungen und Thaten entehren, und die Würdeder menschlichen Natur auf das tiefste erniedri-gen und schänden! die sich selbst durch ihre Ge-sinnungen und Thaten von dem hohen Ziele dermenschlichen Bestimmung und Vollkommenheitentfernen, und so viel an ihnen ist, auch unterandern das mannichfaltigste Elend verbreiten!Kann es auch einen traurigeren, einen wehmü-thigeren Anblick für den edlen Menschenfreundgeben, der an dem Wohl oder Wehe seines Ge-schlechtes einen so aufrichtigen Antheil nimmt?— Eben diese mildere Ansicht, läßt ihn aber auchmitten in einer verdorbenen Zeit, mitten untereiner Menge bößer und lasterhafter Menschen,den großen Werth und Zweck des Lebens nichtverkennen. Wenn der weniger erleuchtete undedle Mensch, bei dem Anblick und der Erfah-rung von allem Elende der Ausschweifung undZügellosigkeit, so oft seines Lebens überdrüßigwird, und mit dem ihn allenthalben umringen-den
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3 (1800)
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406
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