372men und zu stürtzen, und sich dann der unsinni-gen Hoffnung zu überlassen, daß aus dem rau-chenden Schutte, eine allen unseren Wünschenentsprechende, ganz fehlerlose und vollkommeneemporsteigen werde.Verkennet aber nicht allein die wahre Naturund Beschaffenheit von Aufruhr und Empörung,sondern auch euch selbst nicht, wenn ihrnicht in jene Laster verfallen, und dadurch euchund andere unglücklich machen wollt. Man soll-te es freylich von jedem Vernünftigen erwarten,daß er sich selbst, seine Vorzüge und seine Män-gel, seine Schwäche und seine Stärke, kennenwerde. Ohne diese Kenntniß kann niemand, we-der seine eigne, noch anderer Wohlfarth beför-dern. Und billig sollte jeder, der sie nicht hat,auch auf den Nahmen eines Weisen Verzichtthun. Die häufigste Erfahrung läßt uns indessennicht daran zweifeln, daß den Menschen, oft auchden vernünftigsten und besten, nichts verborge-ner sey, als ihr eignes Herz, daß sie in An-sehung desselben in einer unaufhörlichen undfast unvermeidlichen Täuschung leben. Derundurchdringliche Nebel, welcher uns oft unse-ren wahren Character verbirgt, fällt gewöhn-lich alsdann erst, wenn es zu spät ist, diemannichfaltigen Uebel wieder gut zu machen,in welche wir uns und andere, durch eine frey-willige
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3 (1800)
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372
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