184denkenden, und zum tiefen Denken weniger fähi-gen Menschen, seine Bestimmung und WürdeWieviel gewisser und anschaulicher der Weg,auf welchem er allein diese sicher behauptet, undjene glücklich erreicht! Wieviel weniger wirdund darf er es nun wagen, sich davon zu ent-fernen, und sich selbst durch Thorheit und Lasterzu schänden! Die Vernunft gebietet mir, aufdie Anlagen und Bestimmung des Menschen sichstützend, Tugend, redliche Erfüllung der Pflicht.Sie fordert mich durch die stärksten Gründe auf,dem in mir wohnenden Sittengesetze ein Genügezu leisten, und durch reinen Gehorsam gegendasselbe, durch unablässiges Rechtthun, dem Zieleder sittlichen und geistigen Vollkommenheit im-mer näher zu kommen, und ebendadurch einerwahren, dauerhaften Glückseligkeit ebenso fähigals würdig zu werden. Sie stellt mir die Pflicht-mäßigkeit, die Schönheit, die Ehrwürdigkeit,das hohe Glück, eines mit sich selbst übereinstim-menden, allen Anlagen und Fähigkeiten, derBestimmung und Würde des Menschen entspre-chenden, guten, sittlichen Verhaltens lebhaft vorAugen. Und ich kann ihren Gründen, Wahrheitund Stärke so wenig, als den tiefen Eindruckabsprechen, den sie auf mich machen, sobald ichruhig und ernsthaft über mich selbst, über allemeine Verhältniße nachdenke, und in diesemNachdenken den Werth und die Seligkeit einesſolchen
Druckschrift
3 (1800)
Seite
184
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten