Druckschrift 
3 (1800)
Seite
75
Einzelbild herunterladen
 

haftigkeit der früheren Geschlechter, welche denStaat auf den Gipfel der Größe und Hoheitgeführt hatten, verſchwanden ganz vor der alleSchranken durchbrechenden Lüsternheit und Uep-pigkeit, vor der Trägheit, Weichlichkeit undFeigheit der späteren Nachwelt. Artigkeit undgefällige Sitten kamen an die Stelle der langeerprobten Verdienste. Der Reichthum galt fürTugend. Redlichkeit und Bürgertreue wurdenbald unter die veralteten Vorurtheile gerechnet,und mit einer alle Gestalten annehmenden Ge-schmeidigkeit, mit List und Falschheit vertauscht.Die Aemter im Staate, und endlich der Staatselbst wurden käuflich, und fielen dem Meistbie-tenden zu. Das mit den übrigen Staatsbür-geren in gleichem Grade verdorbene, in Lasterversunkene Kriegsheer, theilte die höchsten Wür-den, theilte den Staat selbst nach eigennützigemWohlgefallen aus, und erfüllte die ehemals blü-hendsten Länder mit Empöring, mit Bürger-kriegen und Mord. Die niedrigsten Lüste herrsch-ten allenthalben, und nur die Weisheit undTugend mußte schweigen und trauren. Das Un-glück der Zeiten, das Elend des Volkes zu vol-lenden, brauchte nur noch eine verderbliche —wenn ich das Wort hier brauchen darf — Philo-ſophie aufzutreten, und ſich allenthalben Einflußzu verschaffen. Und sie kam, jede Art der hö-heren edleren Weisheit, in einem durch Ueppig-keit