Staats=Revolutionen.82verwandelt werden. Daher kann man es keinem Men-schen verdenken, wenn er an kein Versprechen mehr glaubt;und kein anderes Mittel übrig bleibt, als daß die Staa-ten entweder durch gewaltsame Revolutionensich heben, oder in Schutt fallen!Die Reformation Luthers und Calvins war eineRevolution; sie wurde durch die Gewalt gehemmt, denndie meisten katholischen Staaten, sogar das heutige erz-katholiſche Bayern, Boͤhmen und Ungarn waren beynaheschon ganz lutherisch. Wir haben gesehen, was esfür schöne Früchte gebracht hat, sich abschrecken zulassen, und eine grosse Sache halb zu thun!Würden die Reformatoren eins geblieben seyn, hättensie nicht sich bestechen lassen, hätten sie nicht schon inihren ersten Grundsätzen sich getrennt, und mehr Uebereinstimmung, Gleichsinn, Brudertreue gezeigt, Lutherwürde wohl durchgedrungen seyn. Aber der elende Par-they= und Sektengeist, die kleinlichten Magister-dispüten haben selbst das Volk irre gemacht, und diewohlthätigen Fortschritte der Reformation gehemmt.Welcher Haß, welche Verfolgung und Todfeindschafttheilte sich nun allen Ländern gegenseitig mit! Ist jeein abscheulicheres Ding auf die Welt gekommen, alsdie Parität in der gleichen Stadt! Im gleichen Lande!So müßte auch die jetzige politische Revolution einelangsam mordende, aber nie sterbende Verfolgungssuchtgebähren. Ach wie würden die Despotenfreunde jubeln!wie würden sie eifrig die Fesseln schmieden! wie wür-den sie das Auto da Fe anstimmen! eine politischeInquisition, statt der vormals religiosen, an die Tages-ordnung in Europa bringen: — wenn der Republikaniß-mus durch Gewalt unterdrückt, oder die allgemeine
Druckschrift
Das Wetterleuchten über Europa am Ende des Jahrhunderts gesehen im Jahre 1788 :
(aus den Papieren eines verstorbenen Geistersehers)
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