Deutschland und die Republiken.54Deutschland, herrliches Deutschland, waskönntest du werden — und was bist du! In Schat-ten gestellt haben dich Kleinherzige Regenten; derDeutsche hat kein Vaterland mehr! Wie strah-len in der alten Geschichte deine Städte hervor,dein Handel, dein Gewerbsfleiß, deine National-Ehrlichkeit; — und jetzt — wie tod, wie abgestor-ben, wie melankolisch wandelt man bey den Stein-gebaͤuden, bey den grossen Kolossen deiner ehema-ligen Macht und Grösse vorbey! Wie herzvoll,wie bieder waren deine Regenten und Bürger — wiewohl war es da zu leben! Selbst Fürsten sagten:sie wollten lieber in Deutschland gemeine Bürgerseyn, als im Ausland Edelleute! Sind doch die Men-schen nirgend so vollherzig, so gutmüthig! „Aber cDeutschland wie reiftest du nach und nach zur Sela-venkette! — Du hörst auf deine besten Vater-landsfreunde nicht mehr. — Verdammt sey derPartheygeist — der uns zuerst trennte! KeinNational= Einklang, keine Gleichstimmung, keinSinn fürs Vaterland! — Wir sind selbst unsregrößten Feinde. Wie äusserst wenig hat uns derSchutz von den Grossen genützt! Die deutsche Na-tion hat die Ausübung ihrer Rechte in drückendeHände gegeben! Da ist kein Widerstand gegen dieGewalt! Kein Kayser, kein Fürst spricht zu unsals deutsches Volk, als zu Kindern des Hauses!
Druckschrift
Das Wetterleuchten über Europa am Ende des Jahrhunderts gesehen im Jahre 1788 :
(aus den Papieren eines verstorbenen Geistersehers)
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