-------------- 5 9
Sonst ödes Schweigen herrschte , nur von dem schau-erlichen Memento mori unterbrochen, da tönen jetztdie Lieder des Rundgelags, und der bacchantischeScherz. Wo durch die dumpfen Kreuzhänge abge-härmte Mönchsgestalten, wie nächtliche Erscheinun-gen, hinschlichen, stehen jetzt Schenktische, und be-gleitet die lautschallende Musik, den wilden Tanz.Die Kirche, die Altäre und Heiligenbilder liegenentdacht oder zerstört. Aber man hüte sich ja, ausdiesem Auftritte einen Schlufs auf die religiösen Ge-sinnungen dieses Volks zu machen. Eben die Men-schen , die sich heute an einem sonst für sie heili-gen Orte der ausgelassensten Freude iiberliefsen,wallten Tags darauf, mit Rosenkränzen in der Hand,zu der Madonna nach Bornhofen.
So ist der Mensch. Religion und Weisheit sindflüchtige Erscheinungen eines zufälligen Moments inihm , Aberglaube und Thorheit aber sein bleibendesErbe.
Ich bin den Mönchsinstituten nicht gut, weil siedurch Wahn und Barbarei verunstaltet werden, auchwo sie am wenigsten ausgeartet sind, und ich halteehemals die Coblenzer Karthause mit einem langetiachlönenden Gefühl über die Verirrungen der Men-schen betreten und verlassen; aber diese grelle Ver-änderung sagte mir eben x so wenig zu. Wenn manabsieht von den oft schrecklichen Folgen unauflösba-