LIUDESHE1M.
Wenn man sich Rüdesheim zu Wasser nähert,bildet sich wieder vor dem entzückten Auge eineder schönsten Ansichten des Rheins.
Es war gegen Abend, als ich von Geissenheimabfuhr. — Vom Niederwald fielen dunkle Schattenauf das stille Becken des Flusses, doch brach liierund da ein Strahl der scheidenden Sonne durch dieWolken, und beleuchtete Augenblicke lang einzelneStellen. Stattlich dehnt sich der Flecken Rüdesheimam Ufer hin, und das Auge weilt besonders auf denbemoofsten Thürmen der alten Burg, wo das Ge-schlecht derBröinser haufstc. Zur Linken erhebtsich am Ufer der freundliche, fruchtbare Rochus-berg mit einer Kap eil e, die der fromme Pilger be-sucht, um an ihren Wänden seine Gelübde aufzu-hängen. Im Vorgrunde hat man das Ufer von Bin-gen, wo an der Mündung der Nahe und an beidenSeiten des Rheins steile Felsgebürge cmporschwel-len, in deren Schlund sich der Strom zu begrabenscheint. Im Hintergrunde verjüngt sich die lachendeGegend um den Johannesberg.