VI
Wir finden sie im achten Jahrhundert in Europa, ohne dafsman weifs, wo sie her kam. Im zwölften finden wir sie inihrer gröfsten Höhe und Vollkommenheit. Damals bauteErwin von Steinbach den Strafsburger Münster, den nachseinem Tode und nach dem Tode seines Sohns Johannesder cölnische Baumeister Johann Wilzen vollendete.
In dem reichen, mit so vielen Kirchen und Klösternverherrlichten Cöln blühte damals die gotikische Baukunst.Aber wie die Meister geheifsen, die am Dome gebaut ha-ben, dieses hat uns die Chronik nicht aufgezeichnet. Un-gekannt ist ihr Gebein vermodert, keiner weifs ihren Na-men; sie haben sich ein herrliches Denkmahl gebaut, aberohne Inschrift.
Dauern wird dieses Denkmahl noch lange; denn nurMenschen können es zerstören und die alles auflösende Zeit.Einstürzen kann es nicht, denn hiezu hat es der Meister zuweise gefügt; und als er sagte: Stehe, da stand es wenig-stens für mehr als ein Jahrtausend und durch eigene Kraft.
Der Dom ist so, wie alle gothische Gebäude, sehrschwer in den Fundamenten und im ersten Drittel seinerHöhe gebaut; leichter ist er schon im zweiten Drittel undganz leicht im letzten. Die Gewölbe sind sehr dünn, oftnur 6 Zoll dick, und die Art, wie sie zusammengesetzt sind,macht, dafs sie nur sehr wenig Seitendruck ausüben. Die