Anhang.
709
Bern, Ig. Februar, Morgens. Ueber die beiden Unterredungen der bernerischen Dcputirten mit dem General Brunemuß ich noch einiges nachholen, das ich so eben erfahren. Wie bereits angedeutet worden ist, waren sie von geringer oderkeiner Bedeutung. Schon bei der ersten Audienz mußte es die Deputirtcn nicht wenig befremden, daß sie den Herrn Generalnicht allein sprechen konnten, sondern daß mehrere seiner Offnere stets anwesend waren. Als sie ihn um Vorweisung seinerVollmacht baten, soll der Herr General aus einem Schreibtische eine Schrift, einem Brief ähnlich, herausgenommen undeine kurze Stelle den Herren Deputirtcn daraus vorgelesen haben, daß nämlich das Directorium seiner Klugheit, Thätigkeitund Einsicht mit vollkommenem Vertraue» überlasse, mit der L. Eidgenossenschaft und dem Stand Bern die ihm bekanntenGegenstände zu berichtigen. Brune hätte bemerkt, freilich habe Bern unter dem Z. Februar eine Maßnahme genommen, diein etwas einer demokratischen Verfassung gleichkomme, aber einerseits sei die Vollziehung dieser Schlußnahme weit hinaus-gesetzt; und anderseits habe das Decret selbst nicht die Bestimmtheit, wie dasjenige mehrerer anderer Stände, auch sei esganz verschiedener Auslegung fähig. Das Directorium wisse nur allzu wohl, daß die ganze L. Eidgenossenschaft immer durchBern gestimmt, gelenkt, geleitet werde, und so lange also die diesmalige Regierung an der Spitze der Geschäfte stehe, könneFrankreich gegen die Schweiz keine Hoffnung, kein Zutrauen nähren. Auf den Vorwurf von englischer Einwirkung hättendie Dcputirten geantwortet, mit England sei die Eidgenossenschaft und ihr Stand niemals in einem Verhältniß gestanden,das der französischen Republik den mindesten Nachtheil zugezogen. Ihre Korrespondenz beschränke sich wahrlich einzig aufAnzeigen von Heirathsvcrbindungen, Geburts- und Sterbefällcn des königlichen Hauses und ähnliches, und wenn Bern einenuntergeordneten Agenten in London habe, so sei dies nur für seine ökonomischen Angelegenheiten. Herr Brune habe hieraufwenig oder nichts zu antworten gewußt, als es sei wcltkundig, was Wickham gewirkt und welche Stimmung seine Thätigkeitstets in Bern unterhalten und welchen Einfluß er bei mehrern der bedeutendsten Ncgierungsglieder immer gehabt und gewißauch dermalen noch haben werde. Die Aufforderung mit Thatsachcn hervorzutreten hätte Herr Brune nur mit Achselzuckenbeantwortet, das wohl die Deputirtcn belehren sollte, das Directorium wisse Mehrcres. Wegen der Unthcilbarkcit der schwei-zerischen Republik erklärte Herr Brune, daß Frankreich auf diese linite den größten Werth setzen werde; diese allein werde derEidgenossenschaft wieder Kraft und Energie geben und ihre freundschaftlichen Unterhandlungen mit der französischen Republikungemein befördern. Betreffend die Bewaffnung des Landsturmes mit Knütteln u. s. f. wurde geäußert, eine solche möchteetwa von Kroaten wohl geschehen, aber stehe den Schweizern nicht gut; ja ein oder zwei anwesende Offiziere sollen sichgeäußert haben, wenn solche Waffen gebraucht werden, so werde auch von französischer Seite keine Schonung stattfinden,worauf von den Dcputirten entgegnet worden sei, für die Masse von Menschen, die sich im Nothfall für das Vaterlandvertheidigcn und lieber unter seinem Schutt werden begraben lassen, als harten Zumuthungen nachzugeben, hätte man nichthinreichende gewöhnliche Waffen. Bei beiden Unterredungen mit Herrn Brune soll er wenig diplomatische Kenntnisse, die größteUnkcnntniß und die unbegreiflichsten, abcntheuerlichsten Vorurtheilc gegen unser Vaterland an den Tag gelegt haben. NachUeberreichung der Note äußerte er die Hoffnung, innert vierzehn Tagen eine Antwort und Gegennote Bern zustellen zu können.In der Zwischenzeit werde er gemessenen Befehl geben, daß an keiner Stelle die mindeste Feindseligkeit unternommen werdeund das Nämliche gewärtige er auch von dem L. Stand Bern und den allfällig Bern zugezogenen eidgenössischen Hülfstruppcn.Am Ende soll er sich über Lucern aufgehalten und dessen Benehmen gegen ihn ins Lächerliche gezogen haben; es habe nämlichsein Decret von der Umschaffung der Regierung ihm bekannt gemacht, zugleich aber erklärt, daß es Bern in Kraft der Bündezugezogen sei. Wirft man einen Blick auf Mengaud und Brune, so bemüht sich elfterer seine Absichten auf und gegen unsmit empörender Grobheit, letzterer mit Anstand und Höflichkeit so bald als möglich zu erreichen, nämlich unsere Unabhängigkeitzu zernichten und uns durch eine schwere Kette an das Interesse der französischen Republik anzuschmieden. — Die Note lautet so:„Die mit Vollmacht versehenen Deputirtcn der Republik Bern um mit dem General Brune, Commandantcn der französischenTruppen im Welschland über die Mittel das alte Einverständniß zwischen beiden Nationen herzustellen, in Unterhandlungzu treten, haben mit vielem Vergnügen von ihm die Versicherung erhalten, daß er den Befehl habe, hierüber sich mit ihnenzu verabreden, und beehren sich über die zwei Grundlagen von Demokratie und Einheit, wovon er ibnen die Eröffnung gethan,ihm folgende Bemerkungen vorzulegen: t) Was die Demokratie betrifft, so bitten sie ihn in Betrachtung zu ziehen, daßdieselbe durch den Eintritt von fünfzig Volksrepräsentanten in den souverainen Rath, welche ohne einige Einmischung derObrigkeit von dem Volke selbst erwählt worden sind, bereits cxistirt; daß die Negierung der Republik Bern fernerhin auf dieGrundlage der Stellvertretung des Volks gebaut sein wird, und daß alle Staatsbürger die gleichen Rechte zu allen öffentlichenAemtern haben; daß die neue Verfassung, welche diese Grundlage entwickeln und befestigen soll, die Proportion der Repräsen-tanten, die Art der Erwählung, die Dauer ihrer Functionen u. s. w. bestimmen wird; daß sie in Zeit eines Jahres oder nochfrüher, wenn es möglich ist, abgefaßt und eingeführt werden soll, und daß unterdessen die bereits demokratisirte Regierungnur als provisorisch betrachtet werden kann. 2) Was die Einheit betrifft, wenn man darunter eine einzige und untheilbareRepublik für die ganze Schweiz, welche die Jndependenz eines jeden einzelnen Cantons zerstören würde, verstehen sollte, somüssen sie dagegen aus folgenden Gründen die stärksten Einwendungen machen: a. Daß eine solche Zusammenschmelzung mit