58 FRAISENBRIEF
Allso soll man den bricf über den kranken menschen, der die frais hat, dreimallesen, und nennt den menschen bei dem namen, wo das N. stehet, und darnachsoll man diesen brief dem kranken menschen auf die brüst legen, bis sichs thutenden zum leben oder zum sterben. Und die leute, die bei dem menschen sein,sollen niederknien und 7 vater unser und 7 ave Maria und einen glauben mit an-dacht bethen zu ehren des bittern leidens und Sterbens unsers lieben herrn JesuChristi, auf daß ihn gott von seiner pein und marter erledige, es sei zum lebenoder sterben, o Jesu, amen 1 ) 2 )."
x ) Zwischen den Versen des Drcifaltigkeitsliedes klebt ein sogenannter Maria-Zeller-Zettelmit dem bekannten Bilde der Gottesmutter von Maria-Zeil. Der Brief ist mehrfach gefaltet undzeigt Spuren starken Gebrauches.
2 ) Über Fraisen- (Eklampsie-) Behandlung in der Volksmedizin vgl. Fosscl, S. I96ff. (diedort angeführten Arten der Fraisen decken sich vielfach mit den Unterscheidungen unseres Fraisen-briefes), über Fraisenbriefe Ho vorka-Kronfeld II, S. 678, und Andree-Eysn, S. 125. Derdort S. 124 abgedruckte Fraisenbrief aus dem Museum in Schärding („gedruckt zu Straßburgbey Peter Auer") ist die Vorlage für unsere Quelle, die nur in einzelnen Schreib- und Verständnis-fehlern von ihr abweicht. Kaum ein Krankheitszustand hat so reiche volksmedizinische und aber-gläubische Abwehrmittel ausgelöst, wie die Fraisen.