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Angelo Polizianos Tagebuch (1477 - 1479) : mit vierhundert Schwänken und Schnurren aus den Tagen Lorenzos des Großmächtigen und seiner Vorfahren
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Medico pietoso fa la piaga puzzolente.Gelinder Arzt macht faule Wunden.

Die Stelle bei Petrarca, De remediis utriusque fortunae, 1. 1, dial. 43 (Opera 142):... et saepe medici mollioris deformis est cicatrix läßt auf ein ähnliches zeitgenössi-sches Sprichwort schließen, aber Beleg habe ich keinen. Älter als die Fassung Pe-trarcas ist vielleicht die bei Novati, XV 376 (auch XVIII 141): Medico piatoxo fa lapiaga verminoxa, die in den Facecies 63», in der Operetta 17», der Bonne Re-sponse E 8 a , bei Pescetti 150b, Croce, Selva 20, Floriato 192, Serdonati II 337b, Lena413 und Giani n° 1040 wiederkehrt. Florio, II 286, Monosini 307, Scrdonati, 11341bund Varrini 61 haben Medico pietoso fa la piaga puzzolente (Varrini auch die Vari-ante ineurabile); beide Fassungen verbindet (verminosa o puzzolente) Serdonati,III 171b (— Qiusti 75), während es 11337b puzzolente o fistolosa und III 158b rognosaheißt. Novati, LIV 48 variiert Medico temente fa la fedita puzzolente, und Nufiez262b kennt ein Sprichwort Man de medico piatoso fa la piaga verminosa. Vgl. weiterFolengo 184f., Franceschi 158, Reinsberg-Düringsfeld, In 0 117, Wander, I und V,vo.Arztn 0 38 (Lessing, XV 479) 61, 64 (Waldis, In 0 39, v. 62), 121,127 und 130.Florio zitiert (I 32) Medico pietoso fa la piagna tegnosa (Übersetzung: A pitifullPhisition maketh a scald wound), was wie ein auf den Arzt bezogenes Mittelgliedzwischen den Sprichwörtern La madre pietosa fa la piaga verminosa (Buoni, Lettere293, ders., Thesoro 189 und 224, Varrini 51) und Madre pietosa fa la testa tegnosa(Florio, II 283) aussieht; diese beiden sind verderbte Ableitungen eines Sprichworts,das bei Pescetti 141b, Monosini 307, Lena 374 und 408, Giusti 126 und Giani n° 951lautet: La madre pietosa fa la figliuola tignosa (Kraldorfer 228 übersetzt: Die fröm-melnde Mutter macht die Tochter grindig); dieses Sprichwort findet sich schonviel früher französisch: vgl. Morawski n° 1223 = Le Roux, II 478 (s. I 268). Weitervgl. Nufiez262b und Mal Lara 320» = Fioriato 192, Franceschi 8, Reinsberg-Dürings-feld, II n° 119, Wander, III vo. Mutter n° 6 und 65, Seiler 183.

Co santi in chiesa, co ghiotti in taverna.

Co savi AAa. co gtotti AAa.

Mit Frommen in der Kirche, mit Zechern im Wirtshaus.

Die Änderung des Textes (savi in santi) ergab sich mit Notwendigkeit aus der Quelle,nämlich den Versen Dantes (Inferno, XXII 13 und 14):

ne la chiesacol santi, ed In taverna co'ghlottoni.

Von den Kommentaren zu dieser Stelle ist, abgesehen von dem Ottimo (Pisa, 1827,1 387), der an Psalm 17, 26—27 erinnert (Cum saneto sanetus eris ... cum perversoperverteris), interessant nur der Benvenutos (II 130), weil daraus hervorgeht, daßdieser Ausspruch oft von Leuten, die schlechten Umgang hatten, zur Entschuldigungangeführt wurde, also schon lange vor Polizian als Sprichwort umlief. Die alsosicherlich bei dem Abdruck aus Stradinos Manuskript verdorbene Fassung kehrtdenn auch nur bei Florio, II 220 wieder, während sich die andern Sammlungen, so-weit sie das Sprichwort haben, an Dantes Text halten, wenngleich zum Teile in ver-änderter Wortfolge; vgl. Monosini 334, Serdonati, 1288b, 111211b, Giusti 5 und 65,Kraldorfer 202, Passarini 502 f., Franccschi 43. Im übrigen ist Polizians Text — nachder Änderung — identisch mit dem Schlußverse der 144. Oktave des 18. Gesangesvon Pulcis Morgante.

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