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Märchen des Mittelalters
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begibt fich der Gute, ein Prinz, Lalitanga mit Namen, weil es ihm verwehrt wird, Frei-gebigkeit zu üben, außer Landes, und fein einer niedrigen Kaffe angehörender fchlechterFreund Sajjana fchließt fith ihm an. Es folgt der Streit, was beffer fei, Tugend oderSünde, weiter die Beftätigung der Behauptung Sajjanas durch Leute aus dem Volke unddie Blendung. Unter einem Baume liegend, erfährt der Geblendete aus dem Gefprächeetlicher Bharanda-Vögel, daß die blinde Prinzeffin Puspavati, für deren Heilung ihrVater, der König Jitasatru von Campa, als Belohnung ihre Hand und fein halbes Reichausgeletzt hat, durch den Saft einer fich um den Baum windenden Schlingpflanze ihr Augen-licht wiedergewinnen könne. Der Prinz heilt fich auf diefe Weife felber/ dann kriecht ereinem der Vögel in die Federn, und diefer trägt ihn am Morgen nach Campa. Er heiltdie Prinzeffin und wird ihr Gatte und Mitbefitzer des Reiches. Eines Tages lieht er feinentreulofen Freund in der Stadt betteln/ er vergilt ihm die Bosheit durch Güte. Undank-barerweife aber trachtet Sajjana,den König feinem Retter zu entfremden, und erzählt ihm,er fei ein Prinz, Lalitanga aber ein Töpferfohn. Daraufhin befiehlt der König einigenSklaven, jenen Mann, der am Abende an eine gewilTe Stelle des Palaftes kommen werde,zu töten, und fchickt Lalitanga hin. Puspavati aber, die Verdacht gefchöpff hat, beftimmtihren Gatten, an feiner Statt Sajjana zu fchicken, und diefer wird denn auch getötet.

Einigermaßen anders erzählt die fchon zu unferm 2. Märchen erwähnte Suväßaßutta-rlßatßä, der Inhalt dieser Gefchichte <HerteIinder Teftfcßrififür Ernft Windifcß, 1914,149f.)fei in Schlagworten wiedergegeben:

Prinz und Barbier — Streit — Beftätigung der Behauptung des Barbiers durch eineGreifin — Belaufchung des Gefprächs eines Bharanda-Vogels mit feinem Weibchen, daßihre Exkremente Blindheit und Ausfatz heilen — eigene Heilung — Heilung eines aus-fätzigen Königs — Vermählung mit deffen Tochter — Barbier fprengt das Gerücht aus,der neue Schwiegerfohn fei der Kalte nach ein Barbier — der König befiehlt einemTschandala, eine Pfanne fiedenden Öles vorzubereiten und den hineinzuwerfen, den erfchicken werde, und fchickt den Prinzen/ diefer bleibt auf Anraten feiner Frau zu Haufe —der Barbier will fich vergewiffern, ob fein Plan gelungen ift, geht hin und wird in diePfanne geworfen.

Wie man fieht, lieht bei allen drei (oder zwei) Erzählern das Motiv der Belaufchungfür fich allein, und die Beftrafung des Böfewichts gefchieht auf eine andere Weife, merk-würdig genug in dem einen Falle auf diefelbe Art wie in dem Gang zum Eifenßammer(Chauvin, VIII, 143f., Chavannes, I, 169f. etc. etc.)/ von dem Zuge der Nachahmung, diedem Schlechten den verdienten Lohn bringt, iß keine Rede. Für die Verbindung der zweiMotive, der Belaufchung und ihrer Nachahmung, ift in Indien noch keine literarifche Parallelegefunden worden/ ebenfo wenig kennen fie die perfifchen Varianten, und auch die einzigealte arabifche Verfion weiß nichts von ihr. Schier unvermittelt ift fie auf einmal in demjüdifchen Apolog da, dann in dem Li'ßro de fosgatos und bei Pelbart, rudimentär auch in demvon Katona mitgeteilten Märlein, gleichfam als Erfüllung einer poetifchen Gerechtigkeit.Bei Bolte-Polfvka wird das Mißgefchick des Nachahmers in eine Parallele geftellt mitdem peinlichen Schickfal, das in dem Märchen von den zwei Buckligen den traurigen Heldenbetrifft, der nicht nur feinen Buckel behält, fondern auch den dazu bekommt, deffen fein glück-licher Gefährte entledigt wird. In demfelben Werke wird (III, 324 f.) mit diefem Märchen eineReihe anderer verglichen, in denen das Gefchick feine Gaben verdientermaßen ungleich aus-teilt, aber eine fehr intereffante, fozufagen hiftorifche Verfion ift den gelehrten Herausgebernentgangen. Sie ift infehriftlich erhalten auf einer jener Tafeln, die die von Asklepios in feinemHeiligtum in Epidauros Geheilten gleichfam als Beftätigung ihrer Heilung zu widmen pflegten,und erzählt folgendermaßen (O. Weinreich, Antike Heifungsivunder, 1909, 90 und 96/J. G. Frazer, Toß-Lore oftße OCd Teftament, London, 1916f., II, 45f.):

Pandaros, ein Thefialer, hatte Brandmale an der Stirn. In dem Heiligtum fchlafend, faher in einem Traumgeficht den Gott, der ihm die Stirn mit einer Binde umwickelte, undder Gott befahl ihm, diefe Binde nach dem Verladen des Heiligtums abzunehmen und fie

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