ZUR GESCHICHTE UND VERBREITUNGDER MÄRCHEN
1. Die Frau imStfirein. Nach einer Novelle Giov. Sercambis 'Noveffe inediteper cura di R. Renier, Torino, 1889, 294 f., Nr. 84)/ vgl. dazu Köhler II, 1900, 625.
Das Märchen ift die erfte europäische, nicht viel fpäter als 1374 niedergefchriebene
Parallele zu der allgemein bekannten Rahmenerzählung von Taufeiniundeiner Nacdt (und
der Hundert Nä'djte)/ die zweite, von ihr völlig unabhängige findet (ich in dem 28. Gelange
von Ariostos Orfando/'urioso (vgl. PioRajna, Lefontideff Orfandofurioso, 2 3 ed., Firenze,
1900, 437f.>, auf dem die 8. Patrana in dem Patranueib von Juan de Timoneda (Nove/'istas
anteriores ä Cervantes in der BißC. de aut. espan., Madrid, 1850, 141 f.), eine Erzählung
in dem Andern Theil der Geßdite Pßifanders von Sittewafdvon H. M. Molcherofeh (hg. von
Bobertag, 220f.) und die Versnovelle La Fontaines Joconde beruhen. Daß das berühmte
Märchen von König Schehrijar und König Sdiahzaman, das Anatole France in der Rotisserie
de fa reine Pe'dauque (1893) als eine »jüngft erft von M. Galland in Europa verbreitete
arabifche Sage« feinem Abbe Coignard in den Mund legt, indiiehen Urfprungs ift, hat fchon
A. W. Schlegel geahnt/ den durchaus fchlüfiigcn, durchwegs lückenlofen Beweis hat erft Ernin.
Cosquin in der Abhandlung Le Profogue'Cadre des Mi/Fe et une nuits, fes fe'gcndes perses
et fe fivre d'Esther, Paris, 1909 (Separatabdruck aus der Revue ßißfique internationafe)
erbracht. Den Schlußftein oder, wenn man will, die Grundlage für Coscruins Gebäude bildete
eine Erzählung des zum Tokioter Tripitafia gehörigen Kieu tsa pi' jii ftiug, das der im
Jahre 280 nach Chriftus verftorbene Seng-huei aus dem Sanskrit ins Chinefifche übertragen
hat/ diefe Erzählung hatte Edouard Chavannes als 19. der Taßfes et contes de finde in
den Actes du XIV' congres international'des orientafistes, Paris, 1906, p. I, sect. 5, 127 f.
veröffentlicht, nicht ohne auf das arabifche Märchen ufw. hinzu weifen und beizufügen: L'origine
hindoue de ce conte n'avait pu jusqu'ici etre etabli avec certitude. Der Inhalt der indifch-
diinefilchen Gefchidite ift, von Nebcnfächlichem abgefehen, der:
Ein wegen feiner Schönheit zum Könige berufener junger Mann ficht vor feiner Abreife,wie fich feine Frau einem Fremden hingibt/ der Kummer darüber nimmt ihm die Sdiön-heit. Bei Hofe angelangt, wird er im Stalle untergebracht/ da wird er Zeuge, wie dieHauptgemahlin des Königs zu einem Pferdeknecht Ichleicht, und er wird wieder froh, daer fich fagt: »Wenn die Gattin des Königs fo handelt, um wieviel mehr Recht hat meineFrau!« Dann erklärt er dem Könige, wie er feinen Gleichmut und feine Schönheit ver-loren und wiedergefunden hat/ beide verlaffen die Welt.
Wie man ficht, ift dies nur eine Parallele zu dem Eingang der Rahmenerzählung von
loot Nacßt und unfers Märchens/ zu dem zweiten Teile, der auch mit der FalTung Ariofts
wenig mehr gemein hat, bezieht fich Cosquin zuerft auf zwei Stücke in Somadevas Katßä-
saritsägara und auf eine Gefchidite in dem auf der indiiehen Sußasaptati beruhenden per-
fifchen Tutinameß Mohammed Kadiris, dann aber auf das Samugga-Dsdiataka, die 436.
von des Buddhas Wiedergeburtgelchiditen (Dutoit, Jätaßam, 1908f., III, 584f./ E. und
H. Lüders, Buddßiftifiße Märdien, 1921, 206f.). Auch zu diefem aber, wenigftens zu dem
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