Guten verrichtete die Hausarbeit, und der Teil des Böfen war mit diefem ver«heiratet und mußte bei ihm fdilafen, und fo wurde das Weib fdiwanger undgebar einen Knaben. Und kaum war der geboren, fo wollte fie ihn an die Bruftnehmen. Da das aber der Gute fah, fagte er, das dürfe fie nicht tun/ denn dieMilch fei von feinem Teile, und er werde keineswegs einwilligen.
Als nun der Böfe fröhlich kam, um feinen Sohn zu betrachten, fo weinteder, und er fragte die Mutter um den Grund, und fie fagte, er weine, weil fieihn nicht ftille. Der Böfe fagte, fie folle es doch tun, aber die Mutter fagte,das verwehre ihr der Gute, weil die Milch von feinem Teile fei. Dies gehört,ging der Böfe zu dem Guten und fagte ihm lächelnd und fcherzend, er folledoch die Frau feinem Sohne Milch geben lalfen ,■ der Gute jedoch fagte, die Milchfei von feinem Teile, und er werde es nicht tun. Dies gehört, begann der Böfein ihn zu dringen, aber der Gute fagte, als er fah, in welcher Not fich der Böfebefand: »Freund, glaubet ja nicht, daß ich ,fo wenig klug wäre, daß ich nichtgemerkt hätte, welche Teile Ihr ftets gewählt und welche Ihr mir geladen habt/trotzdem" habe ich nie etwas von Euern Teilen gefordert und mich armfeligmit dem beholfen, was Ihr mir gabt, und Ihr habtEuch nie um mich bekümmertund nie Maß gehalten. Da Euch jetzt Gott in eine Lage gebracht hat, wo Ihretwas von mir braucht, fo verwundert Euch nidit, daß ich es Euch nicht gebe,fondern erinnert Euch, was Ihr mir tatet, und leidet das für das andre.«
Als der Böfe begriff, daß der Gute die Wahrheit fprach und daß fein Sohnfolcherweife werde fterben mülfen, war er fehr betrübt und begann den Gutenum Gottes willen zu bitten, er möge Mitleid mit dem kleinen Gefchöpfe habenund nicht mehr an feine Schlechtigkeit denken, und von nun an werde er immernach feinen Wünfchen tun. Und da das der Gute fah, erachtete er, daß es vonGott wohlgetan gewefen fei, den Böfen fo weit zu bringen, daß es fah, wieohne die Güte des Guten keine Rettung fei, und er erachtete das als eine großeBuße für ihn,- und er fagte dem Böfen, wenn er feine Einwilligung habenwolle, daß die Frau feinen Sohn ftille, fo müfle er den Knaben auf den Rückennehmen und mit ihm durch die ganze Stadt gehen und dabei fo laut, daß esalle hörten, verkünden: »Freunde, wiflet, mit Güte fiegt der Gute über denBöfen.« Und der Böfe war damit gern einverftanden, und er fand, daß er dasLeben feines Sohnes billig genug erkauft hatte.
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