53.DER TEUFLISCHE KNECHT.
EIN TEUFEL, DER DIE GESTALT EINES HÜBSCHENJünglings angenommen hatte, kam zu einem Ritter und bot ihm feineDienfte an/ da er ihm wohlgefiel, fowohl im Benehmen, als auch im Reden,wurde er gern aufgenommen. Und von Stund an diente er ihm fo eifrig undfo ehrerbietig, fo treu und fo gefällig, daß fich der Ritter baß verwunderte:niemals beftieg der Ritter fein Roß, nie ftieg er herunter, ohne daß der Knechtzur Stelle gewefen wäre und ihm mit gebeugtem Knie den Bügel gehaltenhätte, und ftets erwies er fich als befcheiden, bedachtfam und heiter.
Eines Tages ritten fie felbander dahin, und fie kamen an einen mächtigenStrom/ da fah der Ritter, als er von ungefähr hinter fidi blickte, daß ihm etlichefeiner Todfeinde auf den Ferfen waren. Und er fagte zu dem Knechte: »Nunfind wir des Todes. Meine Feinde find hinter mir her/ vorn hält uns der Flußauf, und es gibt kein Entkommen: fie werden mich töten oder greifen.« Daraufder Knecht: »Fürchtet nichts, Herr, ich weiß eine Furt im Fluffe/ folget mir,und wir werden heil entrinnen.« Der Ritter antwortete zwar: »Noch nie hatjemand an diefer Stelle über den Fluß gefetzt«, folgte aber doch dem Knechte,-und fie gelangten ohne Fährlichkeit ans Ufer. Und als fie drüben waren, fagtendie Feinde, die auf der andern Seite hielten, voller Staunens: »Wer hat jemalsvon einer Furt in dem Fluffe gehört? niemand anders als der Teufel hat ihnübergefetzt.« Und furchtfam kehrten fie um.
Im Laufe der Zeit gefchah es, daß die Gattin des Ritters auf den Toderkrankte, und die Kunlt aller Ärzte verfagte/ da fagte der Knecht wieder zufeinem Herrn: »Würde die Herrin mit Löwenmilch beftrichen, fo würde fiealsbald gefunden.« Sagte der Ritter: »Woher könnte man eine folche Milchbekommen?« Antwortete der Teufel: »Ich werde fie holen.« Und er ging, undnach kaum einer Stunde war er wieder da und brachte eine Flafche voll,- dieFrau wurde mit der Milch beftrichen, und fchon war ihr beffer, und in kurzerFrift hatte fie die frühere Gefundheit wiedergewonnen. Auf die Frage desRitters aber, woher er diefe Milch fo rafch geholt habe, antwortete der Knecht:»Aus den Bergen Arabiens habe ich fie. Als ich Euch verließ, eilte ich nachArabien, ging in die Höhle einer Löwin, verjagte ihre Jungen und melkte die
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