gefagten Zeit Gottes Gericht erwarten folle. Und nachdem er all das getan hatte,fand er fach zu der beftimmten Stunde mit all feinen Angehörigen auf demKirchhof ein, und fchon wurde er auch durch einen ftarken Wind unverfehrtan einen gar lieblichen Ort entführt, und dort fah er ein wunderfchönes, abermenfchenleeres Schloß. Und er trat ein und fand drinnen einen mit allerleiSpeifen trefflich befchickten Tifch. Und dann kam jener Tote in derfelben Geltaltund grüßte ihn freundlich und hieß ihn zu Tifche fitzen, und felber hatte er ineiner finftern Ecke einen fchmutzigen Tifch mit einem fchmutzigen Tuche und eingar fchwarzes Brot und ein elendes Licht. Und an diefem Tifche faß der Totenieder und begann den an dem gefchmückten Tifche fo traurig und bekümmertanzublicken, daß der vor Staunen und Furcht keinen Bilfen zu effen wagte. Undfchließlich erhob fich der Tote und fagte: »Warum fragft du mich nichts?« Und derandere fagte: »Ich bin zu traurig dazu ; weiß ich doch nicht, was mir befchieden ift/immerhin möchte ich, wenn Ihr es wißt, erfahren, was mit mir gefchehen foll.« Undder Tote Tagte: »Sei unbeforgt/ dir wird kein Leid widerfahren, und dies iftdurch Gottes Willen nur zu deiner Befferung gefchehen. Hätteft du nicht törichter-weife einen Toten eingeladen, fo wäre dir gar nichts gefchehen. Damit du aberwifTeft, wie es um mich fteht, fo laß dir fagen: Ich war einft in der Stadt, wodu häufelt, Richter/ um die frommen Pflichten fcherte ich mich nicht, fondernfdilemmte und demmte. Weil ich aber gerecht richtete, fo habe ich Barmherzigkeitgefunden, und meine Buße ift die: Für meine Liebe zum weltlichen Leben habeich diefes öde Schloß, und für meine Schlemmerei muß ich diefen armfeligen,fchmutzigen Tifch betrachten. Und jetzt geh heil und gefund heim und tilgedeine Sünden durch gute Werke.« Und als er das gefagt hatte, erhob fichder Wind und brachte ihn an den Ort zurück, woher er ihn geholt hatte, unddort fand er feine ganze Verwandtfchaft in Tränen.
Kaum aber hatten fie ihn, der arg entftellt war, erblickt, fo entflohen fieallefamt voller Schrecken,- denn die Nägel an Händen und Füßen waren ihmwie Adlerklauen gewachfen, und fein Geficht war vor Angft fchwarz undfurchtbar verzerrt, fodaß fie ihn nicht erkannten, ob er gleich kaum ein Stündleinweggewefen war, das ihm freilich taufend Jahre gewährt zu haben fchien. Darief er fie an, und fo kamen fie zurück,- er erzählte ihnen alles der Reihe nach,und fie lobten Gott. Er aber wandelte fich nun in einen durchaus gutenMenfchen,- und fo durfte er fein Leben durch einen guten Tod beenden.
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