der Marfchall, der als befferer und mächtigerer Mann als die andern galt, undfagte liftig: »Ein fo tapferer Ritter auch Herr Wilhelm ift, von feiner Sdiwefterwilfen wir doch nicht, wie und welcher Art fie ilt/ aber wenn es Euch rechtift, fo will ich gehen und mich erkundigen. Sowiefo habe ich mir fchon feitlangem vorgenommen, zum hl. Dionyfius zu pilgern.« Er hatte aber eineSdiwefter, und die hoffte er dem Kaifer geben zu können.
Der Marfdiall ging alfo als Pilger, aber mit Tücke im Herzen. Und beidem SdilolTe angelangt, wo das Fräulein weilte, gab er Krankheit vor undPrellte fich fchwach/ und er vertat viel Geld und machte dem Wirte und delTenFrau Gefchenke und begann fie über die Jungfrau auszufragen, und fieerzählten ihm alles Gute von ihrer Schönheit und ihren Sitten. Von ungefährkam die Amme des Fräuleins dazu, die nach Schapeln und Schleiern undfonftigerlei notwendigen Dingen fragte, die der Wirt zu beforgen pflegte. Daftand der Böfewicht vor ihr auf und erwies ihr alle Ehren und zog fie in feineKammer und gab ihr einen guten goldenen Ring und bat fie wiederzukommen,um ihn in feiner Krankheit zu tröffen. Durch das Gefchenk verlockt, kam fiewieder, und er gab ihr noch viel fdiönere, fo daß fie ihre Befuche häufte, und,wie es heißt, hat er auch mit ihr gefchlafen, damit fie lieber komme und ihmdie Heimlichkeiten des Fräuleins verrate. Und einmal hatte fie ein fchönesRinglein am Finger, und das zog er ihr ab und fragte fie, weifen es fei. Undfie antwortete: »Meine Herrin gab es mir zu halten, als fie fich die Händewufch, und es ift der Ring, den ihr Herr Wilhelm, ihr Bruder, als Unterpfandfeiner Heimkehr gab.« Und fchon hatte er ihn angefteckt und weigerte fich,ihn zurückzugeben, und gab ihr drei belTere Ringe mit den Worten: »Ihr mögtfo tun, als hättet Ihr ihn verloren/ vielleicht aber verlangt fie ihn überhauptnicht mehr zurück.« Und noch mit andern Kleinoden betörte er fie, und alser fie über Geftalt und Gewohnheiten des Fräuleins befragte, antwortete fie:»Es gibt keine fdiönere auf der ganzen Welt/ von den Sohlen bis zum Scheitelift kein Makel an ihr, außer am rediten Schenkel gleichfam ein Röslein, aberdas hat niemand gefehen als ich und Herr Wilhelm, als er noch klein war undmit ihr gebadet wurde.«
Damit fchied der Böfewicht und machte fich auf den Heimweg nach Rom/und als er vor dem Kaifer ftand, fagte er, jene fei die allerfchlechtefte Hure,und er fagte: »Ich habe mit ihr gefchlafen und war drei Nächte bei ihr, und fiehat mir diefen Ring gefchenkt, den ihr Herr Wilhelm als Unterpfand gegebenhat/ herrlidi fchön ift fie freilich, und kein Makel ift an ihr als ein Röslein amrechten Schenkel.« Erzürnt ging der Kaifer zum Mahle, und bei Tifch faßenneben ihm der Marfchall und Herr Wilhelm. Und als ihn der Wein warm
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