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Märchen des Mittelalters
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find vor dir gekommen, und altefamt haben fie ihre Köpfe verloren, weil fieihn nicht heilen konnten. Bift du fidier, daß du es vermagft, fo wollen wir dichin Ehren zu ihm führen.« Er fagte: »Laßt euch verfidiern, ich werde ihn heilen.«Und fo führten fie ihn zu dem Könige, und er traf ihn im Bette. Und er gabihm von dem zweiten Waffer zu trinken und von den zweiten Früchten zueilen, und in drei Tagen war er alles Ausfatzes ledig, und feine Haut war reinwie die eines Kindes. Und der König gab ihm, was er begehrte, und behieltihn in hohen Ehren bei fich. Tagtäglich aber begab fich Jonathas luftwandelndan das nahe Ufer des Meeres, um, wenn es fidi treffen follte, Schiffe aus fernenLändern zu fehen, und fo tat er lange Zeit, und nie bekam er etwas zu hören.Eines Tages aber kamen viele Schiffe, und er freute fich von Herzen, und erfragte, ob nidit eines aus feiner Heimat dabei fei, und richtig war eines ausder Stadt mit der Schule, und er vereinbarte mit den Schiffern, daß fie ihnhinbringen follten. Dann bat er den König um Urlaub, heimzureifen, und derKönig gab ihm reiche Gefchenke,- und fo kehrte er in Ehren in feine Heimatzurück und gelangte in die Stadt, wo fein einftiges Liebchen lebte.

Alsbald verbreitete fich in der Stadt das Gefchrei, es fei ein gar gefchickterArzt aus fernem Lande gekommen, der jeglichen Kranken heile. Und dieReichftein der Stadt war fein Liebchen, und ihr Reichtum rührte von den drei Kleinodenher, die fie Jonathas geftohlen hatte/ und nun lag fie auf den Tod krank. Alsfie da von der Ankunft eines fo trefflichen Arztes vernahm, fchirkte fie Botenzu ihm, er folle fie befuchen und er werde, fo er fie völlig heile, große Gabenempfangen. Jonathas aber war von niemand erkannt worden, und auch feinLiebchen, die ihn fchon lange tot wähnte, erkannte ihn nicht. Und als er dannan ihrem Bette ftand, fagte er: »Teuerfte Herrin, die Arznei wird dir nichtshelfen, wenn du nicht eine vollkommene Beichte abgelegt halt,- und halt duetwa fremdes Gut, fo gib es auf der Stelle zurüde, und dann werde ich tun,was recht ift.« Und fie begann mit lauter Stimme zu geftehen, wie fie Jonathasum den Ring, die Spange und den Teppich betrogen und wie fie ihn in derEinöde fchier am Ende der Welt verlaffen habe, fo daß ihn, wie fie glaube,die Tiere gefreffen hätten. Und Jonathas fagte: »Sag, Herrin, wo halt du diedrei Kleinode, die du ihm trügerifch entwendet halt?« Und fie antwortete: »Inder Truhe zu meinen Füßen. Da find die Schlüffel/ öffne fie.« Und er öffnetedie Truhe, und da fand er Ring, Spange und Teppich, und er barg fie, überdie Maßen froh, in feinem Bufen. Dann gab er ihr von der Frucht zu elTen,von der er den Ausfatz bekommen hatte, und von dem Waffer zu trinken, dasdas Fleifch von den Knochen löfte. Kaum hatte fie gegeffen und getrunken,fo fchwoll ihr der Leib, und Schmerzen begannen fie zu peinigen, fo daß fie

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