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Märchen des Mittelalters
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28.DER QUELL DES LEBENS.

ES WAR EINMAL EIN KÖNIG, DER LAG AN EINERunheilbaren Krankheit danieder, und von dem Arzte erfuhr er, daßer nie würde geheilt werden können, er hätte denn WalTer von dem Lebens«quell, das eine Arznei für jegliches Siechtum fei. Da rief er feine drei Söhnezu fich und bat fie, durch die Lande zu ziehen und die Waffer zu verbuchen,und dem, der ihm das WalTer des Lebens bringe, dem werde er das Reichhinterlaffen. Die Söhne ließen fich Geld geben und verteilten die ganze Erdeunter fich dergeftalt, daß der eine an den Ufern, der andere durch die Ebenenund der jüngfte über die Berge gehen follte.

Schließlich kam der jüngfte auf seiner Wanderung durch ungeheure Wälderund zu einem Haufe, und dort lebte ein Greis, von dem er belehrt werdenfollte, wo der Quell der Jugend fei,- und der Greis legte ihm viele und vielerleiGefahren dar, die feiner harrten, und er fagte: »Wenn du dich nicht getrauft,fie anzupacken und zu überwinden, wäre es befler, du bliebeft, als du gingelt.«Die erfte Gefahr fei eine Schlange, und die habe er zu töten. Und die zweitefei ein Schwärm von Mägdlein,- die dürfe er nicht anfehen. Die dritte Gefahrfei, daß er bei einer Begegnung mit Rittern und Baronen, die ihm allerleiWaffen anbieten würden, etwas davon annehme. Und die vierte fei bei demEintritt in den Palaft, wo die Jungfrau fei, die den Sddüffel zu dem Lebens*quell habe: denn an der Pforte feien Glödcchen, und die erklängen bei derleifeften Berührung, und dann würden Ritter kommen und den Fremdlingtöten/ und gegen diefe Gefahr gab ihm der Einfiedler einen Schwamm, mitdem follte er die Glödchen füllen, auf daß fie nicht tönten. Und damit gingder Jüngling.

Die Schlange reckte fich gegen ihn, aber er fprang fie mit der Lanze anund tötete fie mit geringer Mühe. Dann führte ihn der Weg zu einer Wiefe,und da kamen ihm fdiöne Frauen entgegen,- und er verhüllte fein Geficht undfchied wortlos von ihnen. Und als er zu einer prächtigen Burg gekommen war,bewillkommneten ihn Ritter und Barone und boten ihm Waffen jeglicher Artzum Gefchenke und wollten ihn mit edeln Roffen begaben,- und er verfchmähtealles. Und bei dem Palafte angelangt, füllte er die Glodcen mit dem Schwämme,

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