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Märchen des Mittelalters
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hundert Gulden und ein Paar Ochfen«, und Kürbeis fagte: «Da du midi heuteaufgenommen haft, fo bin ich es zufrieden, aber fagen muß ich dir noch, daßer fofort ftirbt, wenn ihm jemand auf den Kopf pißt,- anders kann er nichtfterben.« Und Bartel fagte: »Idi werde ihn an einer Sdinur auf eine fo hoheStange fetzen, daß ihm niemand wird auf den Kopf piflen können.« UndKürbeis' fagte, das dünke ihn fehr vernünftig. Frau Sofie aber, die alles gehörthatte, war ganz (tili.

Als es Tag geworden war, machte fich Kürbeis mit dem Gelde und denOchfen auf den Weg, und er ging gegen Untergang. Bartel richtete die Stangeher und fetzte den Wahrfager hinauf, nahm feine Kühe und ging auf das Feldneben dem Haufe zur Arbeit. Die Frau blieb mißvergnügt und traurig alleinzu Haufe. Da kam der Dorfpfaff und fagte: »Wie "geht's uns?« Sie fagte:»Schlecht.« Und der Pfaff: »Warum?« Und fie erzählte die Gefchichte mit derPaftete und dem Kapaun und dem Kuchen und von dem Burfchen und demWahrfager und wie ihn Bartel um fünfhundert Gulden und ein Paar Ochfengekauft habe, fo daß fie es fortan nicht mehr miteinander haben könnten. Undder Pfaff fagte: »Und warum follten wir mit demWahrfager nicht fertig werden ?Kann man ihn denn nicht umbringen?« Die Frau fagte: »O ja, wenn einer aufihn pißt.« »Das tue ich gern.« »Wiedenn?« Sagte der Pfaff: »Idi fteigeaufs Dach, du pochft innen über dem Kopf des Wahrfagers, und ich mache einLoch ins Dach und ftecke meinen Gefellen durch und piffe den Wahrfager tot.«Sagte die Frau: »Gott gebe Euerm Gefellen Wachstum und Kraft, fo rechthabt Ihr gefprochen!« Und der Pfaff ftieg auf das Dach, Frau Sofie ftieß miteiner Stange hinauf, der Pfaff deckte es ab, fleckte feinen Gefellen durch dasSparrwerk recht weit hinein und begann zu pilTen. Der Rabe, den ja jedes Aaslockt, roch nicht fo bald das Aas des Pfaffen/als er aufblickte/ und da er denGefellen des Pfaffen fah, fuhr er in der Meinung, es fei ein Aas, was ja auchftimmte, mit den Klauen auf ihn los und packtejjhn mit'dem Schnabel. Der«geftalt an dem Gemächt gefaßt, begann der Pfaff erbärmlich zu fchreien. Bartelauf dem Felde blickte auf/ da fah er den fchreienden Pfaffen auf dem Dache.Sofort lief er heim, und nun fah er, wie fein Wahrfager mit dem Aas des Pfaffenumging/ und er fchrie: »Wahrfager, halt feft!« Und der Pfaff fagte vor Schmerzund Todesfurcht, als er Bartel hörte: »Hilf mir, Bartel!« Bartel fchrie wieder:»Nicht auslaffen, Wahrfager!« Endlich fagte der Pfaff in feiner großen Angft:»Bartel, ich verfpreche dir, wenn du machft, daß mich der Wahrfager losläßt,fo komme ich nie mehr in dein Haus, und überdies gebe ich dir noch drei»hundert Gulden und ein Pferd und einen neuen Chorrodt.« Dies gehört, fagteBartel, er fei einverftanden. Und er nahm die Schnur, an die der Wahrfager

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