27.WAHRGESAGT UND GLÜCK ERJAGT.
IN DEM LANDE VON MAILAND WAR EINMAL EIN KNABE,Kürbeis mit Namen, der Sohn eines mäßig wohlhabenden Bauern, und alsder Vater ftarb, war er ein hübfdier Junge von zwölf Jahren. Und die MutterTagte zu ihm: »Kürbeis, nun muffen wir mit dem leben, was uns dein Vaterhinterlaffen hat, aber ich dächte, wir machen hin und wieder Holz und bringenes nach Mailand, und das wollen wir mit unferm Efel tun, wie unfere Nach-barn.« Und das tat der Knabe, und er brachte manch fdiönes Stück Geld vonMailand heim. Eines Tages aber, als er in einem Erlenbufch Holz gemachthatte, konnte der Efel, da es ftark geregnet hatte, nicht los aus dem Schlamme,und gefreffen hatte er auch zu wenig, und fo verendete er. Kürbeis häutete ihnab und trug die Haut nach Mailand und verkaufte fie, das Geld brachte erfeiner Mutter. Sie ließ fich den Hergang erzählen und trottete ihn, daß fieeinen andern Efel kaufen würden, und dann gingen fie fchlafen. Am Morgenaber ging Kürbeis nachfehen, was aus dem Efel geworden fei, und da fah ereine Menge Vögel um ihn. Und er dachte: »Hätte ich fo einen Vogel, fo wäreich reich.« Und er nahm Steine und verfcheuchte die Vögel, und dann kroch er inden Leib des Efels, und die Raben kamen wieder, und er fing einen,- den bander fich mit einer Schnur an, und eine folche Freude war in ihm, daß er nichtdaran dachte, zu feiner Mutter heimzukehren, fondern fich auf die Wanderungmachte in der Richtung gen Sonnenuntergang.
Am Abend kam er in ein Dorf, etwa fünfzehn Meilen von Mailand, undda es Nadit werden wollte, ging er in ein Bauernhaus und bat die Frau umHerberge für fich und feinen Vogel, und die Frau fagte: »Mein Mann ift nichtda, aber warte auf ihn/ er wird dich wohl behalten.« Kürbeis wartete alfo undfetzte fich an die Haustür. Unterdeffen nahm die Frau aus einer Schüffel einengebratenen Kapaun, fchlug ihn in ein Tuch und legte ihn in den Schrein, dannnahm fie aus einer Stürze eine Hühnerpaftete und tat fie in ein Schränkchen,und fchließlich öffnete fie den Badeofen, zog einen Käfekuchen heraus und legteihn auch in den Sdirein. Kürbeis ftellte fich nichts zu fehen, und die Frau meinte,er kümmere fich um nichts. Bald darauf kam der Bauer heim, der Bartel hieß,und er fragte feine Frau: »Sofie, wer ift der Burfche?« Sie fagte: »Er will bei
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