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Märchen des Mittelalters
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ehe alle feine Gläubiger bezahlt find. Und diefcr edle Ritter, der arm an Gutwar, hatte große Schulden, und von feinem Gut ift nichts übrig geblieben, wo*von fie getilgt werden könnten, und niemand ift da, weder Verwandter nochFreund, der für ihn zahlen würde/ darum kann er nicht begraben werden.«Und Herr Dianefe fagte: »Wenn da einer wäre, der für ihn bezahlen wollte,würde er dann begraben werden?« Und jener antwortete: »Gewiß, Herr, ja,auf der Stelle.«

Herr Dianefe ritt in den Flecken ein, und alsbald ließ er allenthalben aus=rufen: »Wer von dem Herrn Giglioöo, der zur Kirche getragen, aber ausUrfach feiner Schulden noch nicht beftattet worden ift, etwas zu fordern hat,foll zu Herrn Dianefe in dieunddie Herberge kommen, und er foll willen, daßHerr Dianefe, weil es fein Wille ift, daß der Edelmann begraben werde, jeder-mann bezahlen wird.« Dies hörten Herrn Gigliottos Gläubiger nicht fo bald,als fie fich auch fchon in jener Herberge einfanden, und Herr Dianefe, den dasMitleid zu der Ritterlichkeit trieb, alle Schulden des Herrn Gigliotto zu tilgen,auf daß dem ein ehrliches Begräbnis werde, begann auf der Stelle zu zahlen,und er gab all fein Geld aus und verkaufte alle feine Pferde famt allem Rüft-zeug bis auf ein Pferd, das er behielt/ und als jedermann befriedigt war, luder alle Bewohner des Fleckens und Priefter und Mönche mit ihren Meßhelfern,und fie gingen zu der Kirche, und er ließ den Edelmann mit großen Ehrenbegraben. Und als das getan war, nahm er Abfchied von den Leuten in demFlecken.

Und als er etwa zwei Meilen geritten war, und er allein war zu Pferde, undalle feine Gefeilen und die Knechte gingen zu Fuß, holte ihn ein Mann ein,dem Ausfehen nach ein Kaufmann, der gar ehrlich einherzog mit zwei Roffenund einem fchönen Saumtier und viel prächtigem Gerät, und der grüßte ihn.Herr Dianefe gab den Gruß gar höflich zurück, und der Kaufmann fragte ihnnach feinen Gefchäften und was ihm begegnet fei und um den Zweck feinerReife. Und nachdem er alles erfahren hatte, fagte er: »Bei diefem Euern Zugemödite ich Euer Gefell fein, fo daß alles, was Ihr gewinnt oder ich, geteiltwerde/ Ihr feid ein wackerer Ritter, und ich habe viel Geld, und ich werde Euchmit Geld verfehen und mit Rolfen undWaffen und weften Ihr fonft noch bedürft.«Herr Dianefe dachte in feinem Herzen: |»Das ift, was ich brauche«, und erfagte: »Gern will ich, daß es fo fei, wie Ihr fagt.« Und in der nächften Stadtangekommen, kauften fie Rolle und Waffen und alles, was fie benötigten, undrüfteten fich trefflich aus, und dann ritten fie weiter, bis fie in die Stadt desKönigs kamen, und dort fliegen fie in der vornehmften Herberge ab. Alsbaldluden fie alle guten Leute des Landes zum Mahle und bewirteten fie köftlich,

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