manchmal, um fie zu bejahen, hin und wieder, um fie zu verlachen, das ift,mit andern Worten, als Märdien oder als Schwank.
In dem kleinen Rahmen, der an diefer Stelle derlei Darlegungen gewährtwerden kann, ilt es leider unmöglich, auf die Berechtigung diefer Dreiteilungdeflen, was bisher unter Märchenmotiv verbanden worden ift, näher einzu-gehen und fie überdies durch Analyfierung einiger Märchen zu erläutern.Immerhin mögen die drei Hauptmotivgattungen, fchon um die Erörterung zuerleichtern, Namen erhalten/ fie feien alfo, nach einer gewiffenhaften Prüfungjedes Für und jedes Wider, als
Mythenmotive,
Gemeinfchaftsmotive und
Kulturmotive
bezeichnet. Was mit jeder diefer drei Benennungen gemeint ift, darüber wirdfich wohl jedermann klar fein, aber vielleicht darf noch, nicht umfchreibungs-,fondern befchreibungsweife ausgeführt werden, daß fich die Mythenmotivemit Dingen befaffen, die als Tatfachen gelten, aber nicht Tatfachen find, dieGemeinfchaftsmotive mit Dingen, die als Tatfachen gelten und Tatfachen find,und die Kulturmotive mit Dingen, die weder Tatfachen find, noch als Tatfachengelten. Auf diefeWeife ilt einTetralemma gewonnen, deffen viertes, hier fehlendesGlied — Dinge, die Tatfachen find, aber nicht als folche gelten — irrational ift,praktifch aber mit dem erften zufammenfällt. Nicht unterfchätzt dürfen freilichdie Schwierigkeiten werden, die fich bei einem weitern Ausbau der Theoriewerden ergeben muffen/ einen Trolt jedodi findet der Proponent in dem Umftand,daß es bis heute noch nicht gelungen ift, einer Definition des Begriffes Märdiendie allgemeine Anerkennung zu fichern: was verfchlägt es, wenn diefe einerDefinierung der Teilbegriffe verfagt bleiben wird?
Die Novelle begnügt fich, Gemeinfchaftsmotive und Kulturmotive zu ver-binden,- das Märchen braucht Gemeinfchafts« und Mythenmotive. Das Märchenkann nun — darüber herrfdit allgemeine Einigkeit — nur in einer Zeit ent-fiehen, wo es fchon einen gewiffen künftlerifchen Gefchmack gibt oder, wie fichAntti Aarne ausdrückt, »in der gefdiichtlichen Zeit«/ diefe Zeit aber hat fchonKulturmotive gefchaffen, fie ift auch die Zeit der Novelle. Das Märchen, dasfich mit der Novelle in die Benutzung der Gemeinfchaftsmotive teilt, verwendetdie Mythenmotive fo, wie die Novelle die Kulturmotive/ daraus folgt, daßdas Märchen denlelben Gefetzen gehorchen muß wie die Novelle, das heißt,den von der Literaturgefchichte aufgehellten oder aufzufallenden Gefetzen.Zudem gibt es wohl nur fehr wenige Märchen, die keine Kulturmotive
XVII