Druckschrift 
2 (1801)
Entstehung
Seite
23
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23seines Vaters! Was ist das für ein interessantes Weib?Gott! sie ist schwanger . . . . . . Das Schwerdt des Ge-setzes würde ihrer schonen, und wär sie auch noch so straf-bar. Die Henker halten inne; sie fühlen Mitleiden . . . . .Nein! nein!... sie kennen es nicht..... sie wer-den nur von andern abgelöst. Die Schuldlose sinkt voneinem schrecklichen Schlage zu Boden, und mit ihr, unterihrem Herzen, das arme, noch nicht geborne Wesen. Siewerden mit einander, das Lebendige im Todten, und un-ter teuflischen Lachen in den klaffenden Schlund der Eis-grube hinabgeworfen.An der Thüre eines jeden Zimmers wurden die darinVerhafteten, einer nach dem andern, mit einer schwereneisernen Stange todt geschlagen. Unter diesen Mördernwar ein Priester, Namens Barbe. Er stand in der Ver-tiefung einer Thüre und ertheilte jedem Unglücklichen, indemer den letzten Streich empfieng, die Absolution. Die Leich-name wurden sogleich vom Thurm herab, in ein mit un-gelöschtem Kalk angefülltes Verließ gestürzt. Dem Bür-ger Lamy, dem Sohne, gelang es, bis in die Stube vorzu-dringen, in welcher sein Vater gefangen saß; schon hoffteer, ihn zu retten; allein umsonst; die Mörder hatten ihnbemerkt. Da es ihnen nicht gelingen wollte, ihn von sei-nem Vater zu trennen, den er fest mit seinen Armen um-klammerte, trieben sie die Grausamkeit so weit, sie beidelebendig in die Grube hinunter zu werfen. Späterhin fandman ihre Leichname; sie hielten sich noch umschlungen undein Mund haftete auf dem andern.Der Sohn hatte schlechterdings nichts gegen sich als dieDreistigkeit, sich in das Gefängniß gewagt zu haben, umseinen Vater zu retten.