— 190 —Gerechtigkeit zu überliefern, beruhigt vollends die Soldatenund rettet einer großen Anzahl Menschen das Leben.Viele flüchtige Rothquasten aber zerstreuen sich in dieumliegende Gegend, und verbreiten, ihrem System getreu,unter den Landbewohnern das Gerücht; die Protestanten zuNimes hätten die dasigen Katholiken ermordet, die Klösterzerstört, und die heiligsten Gegenstände mit Füßen getreten.Auf dies falsche Gerücht — denn die Katholiken wa-ren der angreifende! Theil und die Protestanten leistetennur Nothwehre — wurde auf dem platten Lande einegroße Menge Ausschweifungen begangen. Zwanzig Personenverloren dabei das Leben. Die gewöhnliche Frage war:„Seyd Ihr ein Protestant? und die Bejahungderselben zog allemal Mißhandlungen, oft sogar den Todnach sich. Besonders traurig war das Schicksal des HerrnMaigre, eines zwei und achtzig jährigen Greises, dersich mit seiner Familie von Nimes nach Beaucaire begebenwollte. Nicht weit von St. Bonnet stieß er auf zwei Po-stillions und eine Streifwache von Bauern. Er und dieSeinigen wurden aus dem Wagen gerissen und aufs grau-samste geschlagen. Sie vertheidigten sich so gut sie konn-ten; allein Maigre und sein Sohn gaben unter den Strei-chen der Unmenschen ihren Geist auf. Ein Dienstmädchensuchte mit einer kleinen Enkelin des Greises zu entrinnen,wurde eingeholt und mit einem Sattelriemen an einenBaum aufgehenkt. Die Leichname der Ermordeten wurdenin den Gardonfluß geworfen.Der Lärm und die Unruhen hatten sich sehr weit ver-breitet, und die Stadt Nimes ward von einer großen Men-ge Bauern bedroht, die der Konstitution zwar eifrig erge-ben waren, die man aber in Absicht auf das Interesse ihrer
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