Druckschrift 
1 (1801)
Entstehung
Seite
166
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165aus der seit einem Jahre alle Eintracht gewichen war. Wirwollen niemand nennen; denn die Personen leben noch, vondenen wir hier reden. Aber für die Wahrheit der Geschich-te verbürgen wir uns.Ein Vater, seit mehreren Jahren Wittwer, und ganzaufgedunfen von den Vorurtheilen seiner Kaste hatte einenSohn und eine Tochter. Der Sohn war der einzige Spros-se, welcher diesen Stamm fortzupflanzen im Stande war;allein er liebte eine junge Schönheit, gegen welche mannichts einwenden konnte, als nur ihre bürgerliche Her-kunft. Die Liebe achtet keines Abstandes; und die Naturspottet der albernen Konvenienz, welche die Menschen er-sonnen haben. Almon und Suschen liebten sich vonganzer Seele, aber heimlich. Kaum ist das erwähnte De-kret bis in jene Gegenden gedrungen, so tritt auch der jun-ge Mensch, mit dem Gesetz in der Hand, vor seinen Va.ter, und hofft, durch den Drang der Umstände dasjenigezu erhalten, was man ihm sonst gewiß würde verweigerthaben. Der Vater geräth in die fürchterlichste Wuth undverbannt den Sohn von seinem Angesicht. Dieser läßtdeshalb den Muth nicht sinken. Er wendet sich an seineSchwester, ein Mädchen in ihrer Blüthe, und um sie de-sto sicherer zu rühren, gesteht er ihr, daß sein vielgelieb-tes Suschen das erste Pfand seiner Zärtlichkeit unter demHerzen trage, und daß er fest entschlossen sey, seine Ver-bindung mit ihr rechtskräftig zu machen.Die Schwester, vom Adelstolze noch mehr besessen alsder Vater, erwiedert ihm wenn ich so sagen darfdurch teuflische Eingebung:Lieber Bruder! ich nehmedie Versöhnung auf mich. Komm mit deiner Geliebten,und am Schlasse der Abendmahlzeit will ich alles in Ord-