Druckschrift 
[3] (1909) Minnelieder und Sprüche : Übertragungen aus deutschen Minnesängern des XII. bis XIV. Jahrhunderts
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

0

alten kelche selber neue rosen. Wieder ein Jahr-hundert später waren auch die tragenden ge-fuhle erloschen; das sprachliche mittel bestandnur noch in phrasen und figuren, die demim innern veränderten leben nicht mehr ent-sprachen, und für die künstlerische wertungwurde die spielerische mannigfaltungder äusse-ren versarten entscheidend. Mit dem sinkendenadel erlosch die flamme des mittelalterlichengeistesinden redenden künsten, seine sprächelöste sich auf: die dichtung sank von denMinnesängern zu den Meistersingern.Wir erleben heute wieder das schöne wundereiner geistigen erneuerung unserer sprächedurch die rhythmische gewalt eines grossendichters; wir lernten durch ihn die schlum-mernden schätze unseres volkes tiefer lieben,und unter seinem hauche belebte sich unserwille, mit diesen liedern wieder lebendige freudezu nähren; nachdem sie sein ohr gefundenhaben, und der Auswahlband der Blätter fürdie Kunst die besten aufnahm, übergebenwir sie einem weiteren kreise mit der hoff-nung, dass das schöne väter-erbe in empfäng-lichen herzen den wucher neuer liebe trage.