Niemals ist etwa ein Zeitpunkt gewesen,wo man mehr von Barmherzigkeit, von Bru-derliebe gesprochen, als in den letzteren Jahr-zehnden. Das dem Scheine nach itzt so glän-zende Wort: Menschenliebe, ist bereits bey-nahe auf jeder Lippe und Zeile zum Gebrauchegeworden. Es ist davon die beliebte Sprachein den gewöhnlichen Gesellschaften der feinenStädte, und man stimmet darüber in Büchernund Zeitungen öffentliche Lobsprüche an.Fast jeder, der nach Ehre strebet, will derMenschenfreund in der Gemeinde heißen, undein thätiger Beförderer der Staatswohlfartgenannt werden. Allein unter so vielen, dienach diesem Ruhme streben, kann wohl je-mand den Preis verdienen, als nur jener,der die Mitglieder des Staates so liebet,daß der Staat dadurch im Ganzen geholfenund erleichtert wirdDieses ist die ächte Menschenliebe gegenMitglieder des Staates, wenn man nachKräften dort hilft, wo zu helfen ist, wennman Thränen abtrocknet, wo geweinet wird,wenn man nicht nur mit Zungen und Wor-ten, sondern mit Werken liebet, und die An-zahl der Leidenden im Staate möglichst zuvermindern trachtet. — Die Stimme aller der
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Fünf Predigten zur Empfehlung der neu errichteten allgemeinen Armen-Versorgungsanstalt
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