Druckschrift 
5,2,a (1875) Die eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume von 1618 bis 1648
Entstehung
Seite
617
Einzelbild herunterladen
 

Januar und Februar 1630.

617

Isaak Volmac, vorderösterreichischer Rath und Canzler, übergiebt ein Credenzschreiben des Erzherzogs Leopoldund bringt alsdann vor, der Kaiser und der Erzherzog hätten nicht im Sinn, zum Nachtheil der Eidgenossen-schaft irgend etwas zuwider der Erbeinigung vorzunehmen; mau solle also kein Mißtrauen fassen, wenn derKaiser wegen des Mantua betreffenden Krieges die Pässe in den Bünden für einige Zeit in Verwahrunggenommen habe; es sei dieß aus rechtmäßigen und erheblichen Ursachen geschehen. Die Aufstellung einerarinöö volantö, die von fremden Potentaten bezahlt »verde, würde den Kaiser veranlassen, die all die Eid-genossenschaft grenzenden Erblande mit Kriegsvolk anzufülleil und den ganzen obern Rheinstrom zu besetzen,wodurch Handel und Wandel gelähmt und ein völliger Bruch eintreten würde. Die Orte möchten also allesMißtrauen ablegen und die »veitaussehende „Defensionsvcrfassung" ausgeben. — In Betreff des Passes,welchen die vier Städte fiir eineil Zusatz nach Mülhausen verlangt hätten, legt der Abgesandte ein Schreibendes Erzherzogs an die fünf Orte vor, »lebst einer Eopic eines Schreibens an die vier Städte. In jenemstellt er das Aufreizende eines nach Mülhausen zu legenden Zusatzes vor, »venu derselbe durch dieösterreichischen Lande zöge und durch das daselbst liegende Kriegsvolk; ferner daß eine solche Maßregel leichtdie befugten Ansprachen des Reiches an die Stadt Mülhausen' wieder ins Leben rufen könnte. DerErzherzog fordert die Orte auf, die vier Städte von diesem Beginnen abzumahnen und versichert sie, daß derKaiser keine bösen Absichten gegen die Eidgenossenschaft habe, ermahnt, die Orte möchten sriedhäßigcn, Wer-bungen keinen Eingang gewähren. — Eine schließliche Erklärung wird dein Abgeordneten noch nicht gegeben.Vorläufig läßt man mit demselben wegen verschiedener Beschwerden der III Bünde, des Bischofs von Basel undder Stadt Schaffhauscn reden. Es wird alsdann die Abschrift eines kaiserlicheil Schreibens an den Erzherzog(dat. den 15. Januar) verlesen, des Inhalts, der Kaiser sei nicht der Meinung, die Eidgenossen durch das indie vorderösterreichischen Lande gelegte Kriegsvolk zu beleidigen "oder anzufechten. Der Erzherzog möchteseinem Feldmarschall befehlen, nur die unumgänglich iiothwendige Truppeilzahl in jener Gegend einzuquartieren,die übrigeil aber anderswohin abzuführen. — Mai» übergiebt hierauf dein Abgesandten etilen schriftlichenReceß, in welchem die Befriedigung der Orte hinsichtlich der Erklärungen des Kaisers sowie auch die Absichtausgedrückt wird, die Erbeiuigung treu zu halten, und läßt es dabei bewenden. I». Die billigen Be-schwerden des Bischofs von Basel werden dem Abgesandten durch einen Ausschuß vorgetragen mit der Bitte,auf Abhülfe bedacht zu sein. Das jüngste Schreiben des Bischofs an Lucern wird in den Abschied genommenund freundlich, jedoch unvorgreiflich beantwortet. «. Um den Friedeil zwischen den christlichen Potentatenzu Stande zu bringeil, soll der Nuntills ersucht werden, seine Officien eintreten zu lassen, sowie für das An-liegen der Walliser sich zu verwenden. «I. 1) Der außerordentliche französische Ambassador, Herr de Leon,begehrt in» Namen seines Kölligs zwei Regimenter Eidgenossen, ein jedes von 3000 Mann. — Es wird ihmerwidert, daß man seil» Begehren den Obrigkeiten mittheilen »volle, und zugleich um Entrichtung der Pensionenund Distributionen angehalten. 2) Ferner wird dein Ambassador bemerkt, weil der Kaiser fiir den Friedensich geneigt zeige, so möchte auch er dem Köllig den Wunsch der Orte fiir den der gesaminteu Christenheitheilsamen Frieden vortragen. v. (S. u. Badeil.) k. Die Abschrift des kaiserlichen Schreibensan Erzherzog Leopold wegen der Stadt Mülhausen wird Zürich mitgethcilt mit dem Beifügen, daß es dieAntwort auf nächste gemeiueidgenössische Tagsatzung bereit halten möchte. Solothurn soll zu erfahrensuchen, wie der Bischof von Basel oder seil» Stift dem Kaiser pflichtig und verbunden sei. Ii. (S. u. Thurgau.)i. Freiburg ersucht die Orte, sie möchten ihm zur Beilegung seines Spans mit Bern verhelfen. — Alan willdas Ansuchen Freiburgs den Obrigkeiten mittheilen und bittet es, die Sache einstweilen bis auf bessere

73