554
September
'121.
Konferenz der IV evangelischen Städte.
Aarau. IKtw, 22. September (12. alt. Kal.).
Staatsarchiv Ellrich. Alischiedbd. tg-t, S> l»k.
Gesandte: Zürich. Hans Ziegler, Statthalter; Hans Kambli, Sekelmeister und des Raths. Bern.Albrecht Manuel, Schultheiß; Hans Jakob von Dießbach, des Raths und Oberst. Basel. Andreas Ryff,des Raths. Schaffhausen. Doctor Heinrich Schwarz, des Raths.
Der König von Frankreich hat sich bei Anlaß seines Krieges wider den Herzog von Savoyen gegendie Stadt Genf erklärt, daß er sie der Gefahren, denen sie von der Kestnng St. Katharina her stets ausgeseztsei, gern entledigen würde, und begehrt, sie solle bei diesem guten Anlaß ihm dazu behülflich sein und ihreEid- und Bundesgenossen auch dazu auffordern. Da Genf dieses Begehren Zürich und Bern hat eröffnenund sie um Hülfe und Beistand bitten lassen, haben die beide» Städte für nöthig erachtet, eine Zusammenkunftder IV Städte abzuhalten, um sich über diese wichtige und „treffe" Angelegenheit zu berathschlagen. NachVerlesung des Schreibens des Königs (aus dem Lager zu Chambery vom 25. August) und Anhörung derEröffnungen der Gesandten Genfs, worin sie die Genf von Savoyen her beständig drohenden Gefahren er-örtern und darauf hinweisen, wie gerade jezt, wo der König selbst mit Marschall vön Biron und dem Herr»von Lesdiguivres in der Nähe sei, der günstigste Augenblik zu Zerstörung der Festungen und Sicherung dereidgenössischen Gränze nach dieser Seite wäre :c., verkennt man zwar nicht, wie außerordentlich vortheilhaftdie Zerstörung benannter Festungen sein würde, und wie namentlich Genf nichts unversucht lassen dürfe, vonden von daher drohenden Gefahren befreit zu werden; da aber der König diesen Krieg einzig zu Wieder-eroberung der ihm vom Herzog wider alles Recht vorenthaltenen Grafschaft Salnzzo führt, und bis jezt wederGenf noch jemand anders davon berührt worden ist, so kann man nicht für rathsam finden, sich in diesenKrieg zu mischen, um so weniger, da man gegenwärtig mit dem Herzog nicht in Fehde oder Feindschaft stehtund zudem Basel und Schasfhausen mit Genf nicht verbündet sind; auch glaubt man, der König sei ohne derevangelischen Städte Mithülfe selbst stark genug, Genf zu guter Sicherheit zu verhelfe». Dabei dürfe mannicht übersehen, daß die katholischen Orte mit dem Herzog in einem Bündniß stehen und ihm zu Schirm seinerLande Hülfe zu leisten schuldig sind, und daß dieselben gerade jezt Trnppen in seinem Dienst haben, daher dieEidgenossen selbst dort an einander gerathen könnten. Überdieß ist zn berüksichtigen, daß der Waffenstillstandzwischen Bern und Savoyen noch den Monat September währt. Wenn auch der König einige savoyischeStädte und Lande eingenommen hat und, weil der Herzog noch nicht ganz gerüstet ist, noch andere einnehmenwird, so ist doch anzunehmen, es werde nicht so bleiben, sondern es werde der Herzog nach Hülfe sich umsehenund seine Lande wieder einnehmen, oder es werde der König von Spanien und Andere, die den Herzog nichtim Stich lassen, Frankreich an andern Orten angreifen, weßhalb es dann seine Truppen von hier wegziehenmüßte und der Krieg der Stadt Genf und ihren Verbündeten auf den Hals fallen würde. Das wird de»Gesandten Genfs eröffnet, mit der Bitte, es nicht übel aufzunehmen und nicht so auszulegen, als möchte mannicht gern der Stadt Genf zur Beförderung ihres Wohlstandes und ihrer Sicherheit verhelfen; vielmehr seiman stets geneigt, ihr alle nachbarlichen Dienste und Freundschaft zn erweisen, und werde auf künftiger ba-dischen Tagleistung dahin trachte», daß, wenn über einen Frieden zwischen Frankreich und Savoyen verhandelt