Druckschrift 
5,1,a (1872) Die eidgenössischen Abschiede aus dem Zeitraume von 1587 bis 1617
Entstehung
Seite
104
Einzelbild herunterladen
 

104 Mai 1588.

Sonntags den 15. ließ der Herzog und der Castellan die Gesandtschaft durch eine Abordnung in der Herberge„visitieren" und begrüßen und sodann am Abend sammt den dazu bestimmten Geleitsherren in „Gntschen-wägen" nach dem Palast abholen, alltvo sie dem Herzog von Terranova, Gubernator des Herzogthnms Moy-land und oberster Hauptmann und Statthalter in Italien, die gewöhnliche Reverenz und Begrüßung imRainen ihrer Herren und Obern abstatteten, bei welchem Anlaß sie der Herzog ganz freundlich empfing undjegliche Freundschaft und bnndesgenössische Treue und Liebe von Seite des Königs von Spanien sowohl alövon seiner Seite anerbot mit der Meldung, daß alles fiir die Solemnität des Bnndcsschwnrs Erforderlicheschon bereit sei, damit derselbe am folgenden Morgen vorgenommen werden könne. Montags den 1l>. wurdedie Gesandtschaft unter vornehmem Geleite nach der Domkirche abgeholt, wo ihnen im Chor zur rechten Hand„In dem gestül glych vndcr des Herren Ertzbischosfs Stand" ihr Plaz angewiesen ward und sodann der Erz-bischof das Hochamt mit Beistand einer großen und stattlichen „Clcriscy" celebrirte mit den in solchen Fälle»gebräuchlichen Ceremonien, Orgeln und auserlesener Musik. Nachdem sodann der Erzbischof eine lateinischeRede über dieses Bündniß und diese Feierlichkeit gehalten, stellten sich der Herzog und die eidgenössische»Gesandten dem Fronaltar gegenüber vor einen Tisch, mit einem Crncifix, einem Missale und den beidengeöffneten Originalinstrumenten des Bündnisses versehen, wo die Gesandten nochmals eröffneten, warum siehierher abgeordnet worden, worauf der Herzog durch den Großcanzler, Anton Calinona, antworten ließ. So-dann wurde» beide Bnndesinstrumente mit dem großen Siegel des Königs besiegelt und darauf das Bündnißvom Herzog im Namen der katholischen Majestät, und von den Gesandten im Namen ihrer Herren undObern feierlich beschworen.- Nachdem unter Glokcngelänt und dem Donner des GcschüzeS der festliche Actbeschlossen worden, wurde im Palast „ob des Herzogs Taffel ein köstlicher vnd fürstlicher Imbiß crbvttcn",bei welchem der Herzog sich durchaus ganz freundlich erzeigte. Wiederum in ihrer Herberge angelangt, wurdendie Gesandten von dem in Moyland residircnden savoyischen Ambassador Turrianns unter gutherzigen Anerbiete»im Namen seines Fürsten und für seine Person begrüßt und auf den künftigen Morgen zur Tafel geladen.Mittwoch den 18. erstattete der in Moyland rcsidircnde Ambassador des Großherzvgs von ToScana undFlorenz den Gesandten einen Besuch mit freundlichem Begrüßen, Zusprechen und Anerbieten, worauf siewiederum nach Hof sich verfügten und in feierlicher Audienz über folgende Punkte Bescheid begehrten: 1. Obder Ratificationsbrief des Königs über dieses Bündniß, sowie die Bollmacht, welche der Gubernator zu Mayland bezüglich der gemäß des 12. Artikels des Bündnisses den katholischen Orten im Fall der Roth zu leistende»Hülfe bei Händen haben soll, noch nicht eingetroffen seien. Auf dieses antwortete der Herzog mündlich, daßman keine Besorgnis, haben möchte, es werde das Bündniß nicht vom König sowohl als von ihm in alle»Theilen gehalten, wenn auch die gewünschte Ratification und Bollmacht gegenwärtig noch nicht Vorhände»seien; er werde indeß nicht unterlassen, diese Docnmente ernstlich zu reclamircn; übrigens dürfen die katholische»Orte um so mehr auf die versprochene Hiilfe sich verlassen, als der König schon vor Jahre», bevor diesesBündniß tractirt und aufgerichtet worden, sich dazu förmlich verpflichtet habe. 2. Auf die dem Herzog vor-getragene Bitte, er möchte dafür sorgen, daß die „Condncta" der Kanfmannsgüter ans deutsche» und wälsche»Landen wiederum wie vormals durch das Gebiet der katholischen Orte stattfinde, indem einige Obrigkeiten dieStraßen mit großen Kosten nnterhaltcn und diese Straßen den Kanflenten die bequemsten und sichersten feie»,verspricht er, gehörigen Orts seine möglichste Berwendung eintreten zu lassen. I. Wird darüber angefragt, obund wann die versprochene, gemäß Bündniß auf lezte Ostern verfallene Pension bezahlt und ob man nicht