der deutschen Mystiker, Humanisten und Reformatoren undin sinkender Zeit der grimmige Spott und die ernsten Klageneines Wickram und Fischart, Grimmeishausen und Mosche-rosch sich gesellten.
Sie alle schütteten ihre Schätze zum alten Hort, mehrten dieKraft der eigenen Bildsamkeit, und als im 18. Jahrhundertmit der verirrten Liebe der oberen Stände zur fremden Spracheauch unser Schwert am schwächsten geworden, als die Notunserer Zwietracht aufs höchste gestiegen war, da griff unserGeist in die Rettung hinab und ließ unser erstes und letztes,unser unberührtes und unverletztes Gut strahlender als jeaus dem Rheine glänzen. Denn war es nicht in Straßburg,wo Goethe mit Herders Flamme zusammenschlagend sichabwandte von fremder Sprache und Sitte, den Weg zum Zauberder Muttersprache fand und mit ihm Männer und Jünglinge,Schiller vor allem und die Romantiker weckte ? War es nichtin Speier, wo Hölderlin glaubte, neugeboren zu werden überdem Anblick des Rheines, seine Gefühle sich erweiterten,sein Herz mächtiger schlug, sein Geist ins Unabsehbare flogund sein Auge staunte und er dastand wie eine Bildsäule vorder blauen Wand des Stromes? War es nicht in Bingen, woGeorge „das Geheimnis ewiger Runen" in den strengen Linienseines Tales fand und seinem Engel gestand:
Schon lockt nicht mehr das Wunder der lagunenDas allumworbene trümmergroße RomWie herber eichen duft und rebenblütenWie sie die Deines Volkes hört behüten —Wie Deine wogen — lebengrüner Strom.Seit unser Geist die Rettung im eigensten Horte fand, konntedas Bild des Deutschen nicht mehr verloren gehen: die Kroneder Einheit wuchs und wächst und harrt nur der günstigenSternenstunde, um ganz aus den Fluten des Rheines zutauchen. Wir sahen vor hundert Jahren die Männer undKnaben zum ersten Male wieder in ihrem Strahle vereintdie Freiheit erkämpfen, wir sahen Bismarck dann am Rheine
164