heit in den an Bildung, Besitz und Macht ununterschiedenenGrund der Gemeinschaft hinuntergezogen waren, kurz, alsin diesen Deutschen tiefer als sonst in den Völkern die ursprüng-liche Mischung von Antike, Christen- und Germanentum ent-mischt und verwandelt war; als nun die titanischen Mächteder Leidenschaft und des Frevels unbändig und frei gewordensich tobend und grollend über die Erde wälzten und schon denBrand zu entzünden begannen, der noch Jahrhunderte flammenwird ■ als alle göttlichen Bänder zwischen den Menschen undVölkern zerrissen waren: da war an Rhein und Main und Neckarschon die dreifache Saat der Dichter erblüht, deren Korn dieGreuel überdauern und die neuen Deutschen ernähren undbilden wird. Goethe, der Stürmer und der Entsagende, erzwangden sinnlichen Raum und steckte die irdischen Grenzen ab,Hölderlin, der Seher und Opferer, schaute und verkündetedie eigenen Götter wieder, George, der Bildner und Herrscher,vereinte Himmel und Erde, schafft Leib und Staat, das gei-stige Reich und den heldischen Geist. Die Sprache war derjungfräuliche Boden, den der Geist zum Bau ersehnte, dasunberührte und allberührende, das keuscheste und reichsteEigen des Volkes. Sie, die beweglicher ist als der Vogel derLuft und dennoch dauernder als Erz und Stein, sie, die denRaum der Einzelseele wie aller Stämme zugleich erfüllt,dieses dichteste und weiteste war zugleich das ursprünglichsteMittel, um Zeugnis zu geben von der Einheit der Welt in un-serem Geiste, sie, das zarteste und dennoch festeste Bandzwischen den geheimsten Regungen unserer Herzen, dengroßen Forderungen unseres Willens und den stolzen Gestal-tungen unsrer Geschichte, mußte der reinste Träger der Bil-dung und der stärkste Gestalter unserer Eintracht sein. Ja in ihrist der Dichter berufen, eine neue Welt zu schaffen, denn inihrer wiedergeborenen Schöpfung, der Dichtung, spricht er —wie alle lebendigen Zeiten wußten — mit göttlicher Stimme.Nicht der geschmäcklerische Reiz, nicht die fesselnde Fabelund nicht der geschürzte Konflikt, sondern durch Einheit
II Wolterl, Reden. IÖI