Forts, Herzen und Hirne der linksrheinischen Alamannenund Lothringer ein, und bei uns nahm niemand das heimlicheWühlen, das zuweilen schon höhnische Drohen ernst genug.Es kamen wohl Jahre, wo die Spannungen größer wurden,wo die Heerführer mahnten, wo wir im Wettrüsten mit denMächten aufrückten, ohne doch nachzukommen, aber nachkurzer Erregung nahm niemand die Zeichen ernst genug.Das Ringen der Staatsmänner schien um die größten Zielezu gehen: um unseren Anteil an den Ländern der Erde, umunseren Vorrang im Handel der Welt, um die friedliche Erobe-rung der ganzen Weltl Aber ach, man hielt uns so wenig fürkünftige Herrscher der Welt, daß niemand uns im eigenenjungen Hause auch nur den Besitz des Reichslandes garan-tieren mochte. Rußland, Österreich, Italien lehnten schonunter Bismarck eine Bürgschaft für Elsaß-Lothringen abund deuteten also an, wie gefährdet unser westlicher Turmim Schachspiel der großen Mächte stand. Als dann unterWilhelm IL Weltpolitik und Weltwirtschaft die Fragen derinneren Einheit ganz vergessen machten, indes die äußerenGegnerschaften gegen sie täglich wuchsen, wurde der Gefahr-punkt am Rheine immer deutlicher, und wir fanden den Staats-mann nicht, dieses Auseinanderfallen der inneren und äu-ßeren Staatskunst zu verhindern. Noch einmal scheiterte —im Jahre 1900 — der Versuch Frankreichs und Rußlands,uns für den Kampf gegen England zu gewinnen, an ihrerWeigerung, unseren Besitz am Rhein zu verbürgen: zweiJahre darauf bezogen sie England in ihr Bündnis ein, und wirkonnten den Frieden nur noch von Fall zu Fall draußen mitZurückweichen, drinnen mit Versöhnungskunst im Elsaßerkaufen. So lag auf der scheinbaren Höhe unserer größtenMacht das Schicksal des Rheines schon nicht mehr in unserer,sondern in des Feindes Hand: ihm schien das Reich nicht dieKraft zu haben, das Elsaß zu halten. Schon 1911 begannen diefeindlichen Staaten über die „Desannexion" Elsaß-Lothringenszu beraten, Karl von Habsburg gab es mitten im Kriege für
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