Tag in der tausendjährigen Nacht, wo die Götter schlafen, nichtunterginge, ließ Christus, bevor auch er verschwand, in demMahle von Brot und Wein, in dem Gemeinschaftsmahl derin seinem Namen Versammelten ein Erinnerungszeichen zu-rück, das sie an den einstigen Tag gemahnen und bis auf denkünftigen trösten soll, an dem auch er zurückkehrt. DiesesBrot- und Weinopfer kennzeichnet Christus als den Bruderdes Dionysos, also der ewigen Naturkraft des edelsten Wachs-tums, und als solcher band er mit seinem Erinnerungsmahledie Menschen an „das Geheimnis des Weinstocks", an dasquellende blühende irdische Leben und ließ durch sein Opferin der nachtgefangenen Seele so viel Freude, Dank und Lächelnzurück, daß einst bei der Wiederkehr des Lichtes die imSchlummer gesundeten Helden, die Starken wieder das ewigeReich der Natur erkennen und der höchsten Freuden der Erdefähig sind. Dann wird von den Starken, wenn die Zeit desneuen Gesanges gekommen ist, auch ,,der frohlockende Sohndes Höchsten", ,,der Gewittertragende" genannt werden undals .Christ im Tanz', wie der Dichter unserer Tage ihn nennt,in der Gemeinschaft der Götter erscheinen. Dann wird „dergroße Vater" die Ehren und Gesänge, die bisher in seinemNamen gesungen wurden, wieder der Erde vertrauen und ihrdie Seelen der Menschen zuneigen, „indess er fern ist und alteEwigkeit verborgener und verborgener wird". So sah er Jeho-v ah in die Verborgenheit der Ewigkeit zurücksinken, so lebteihm Jesus noch gewandelt unter dem jungen Lichte desVaterlands.
Nachdem ich so die Geburt seiner Götter geschildert habe,müßte ich ebenso die seiner vaterländischen Halbgötter, derErdhelden, wie ich sie nennen darf, zu schildern unternehmen:der Ströme Rhein und Donau, Main und Neckar, der Seen undBerge wie Bodensee, Alpen und Taunus, der Gezeiten desJahres, des Tages und der Nacht, die er alle wie leibgewordeneWesen mit der zauberhaften Bestimmt- und Besonderheitdes Ortes und der Lage, der Zeit und der Dauer heraufführt,
85