greifen, wenn sie in die Seelen der Jugend gesenkt werden,so treffen wir unser Vaterland mitten ins Herz, morden dieEhre der Helden von tausenden Jahren und vernichten denKeim des Lebens für eine höhere Zukunft.Die Gefahr solcher Gedanken ist doppelt groß nach der Furcht-barkeit des letzten Krieges, dessen Formen gemäß den maschi-nellen Formen der Zeit das menschliche Maß weit überschrittenund ein furchtbares Grauen selbst in den Seelen der Tapferstenhinterlassen haben. Wenn nun auch sie — und es ist ge-schehen — solche Tapferen, denen das Schicksal den Todnicht gönnte, nachdem sie ihm tausendmal ins Auge geschauthatten, ihr maßloses Entsetzen mit in die Heimat tragen,wenn auch sie nicht mehr die Lösung durch das letzte Odins-opfer, durch Selbsttötung finden, wie es manche der Edelstenim Felde und noch nach der Niederlage wählten, sondern ihrTodesgrauen mit ins Leben schleppen und von ihm ihr Urteilüber das Dasein und den Wert der Gemeinschaft nehmen,wenn diese Wiedergänger, die nicht Ruhe im Grabe ihrer er-loschenen Seelen finden, nun das Opfer für Land und Volk fürsinnlos, ja freventlich halten und statt des Kampfmutes einematte weichliche Liebe predigen, so müssen wir um unsrer Totenund Lebendigen willen auch solche erloschenen Tapferen vonuns schütteln und wie die Römer taten, wenn ein Todgeweihterdennoch lebend aus dem Kampfe kehrte, sie wenigstens imBilde begraben, damit die unteren Götter besänftigt werden.Wir können und dürfen nicht heute verwerfen, was wir gesternbejauchzt haben, nur weil es schweres Schicksal über uns brachte— und wenn es mir gelungen ist, auch nur etwas vom Sinn desOpfertodes für das Vaterland in dieser Stunde aufzuschließen,so wissen wir ja, daß dieser Sinn in den ewigen Mächten vonLeben und Tod gewurzelt ist, daß die Formen seiner Erschei-nung wohl mit den Zeiten und Völkern wechseln, aber ein Un-verlierbares in ihnen gleichbleibt: daß nämlich den so Gefalle-nen die höchste Ehre gebührt, weil sie mit ihrem Tode das Lebenerneuen, das unser aller Leben ist: das Leben des Vaterlands.
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