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Stefan George und die Blaetter fuer die Kunst : dt. Geistesgeschichte seit 1890
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nur in den feinsten überläuterten Formen äußern konnten. Beide ähneltensich in der unbedingten Abgeschlossenheit gegen alles öffentliche, derVerhaltenheit der Kräfte, wenn nicht eine höhere Macht ihren Einsatz for-dert, ja der Verschließung aller Fähigkeiten bei einem Wissen von solchemUmfang und Reichtum, daß es noch jeden erstaunte, der sich bei dem einenRat holte oder bei dem anderen zufällig den Schlüssel zu seiner verschwie-genen Fülle berührte. Der um ein Jahr jüngere Bruder Friedrich Gundolfsbeschränkte sich fast bis in sein dreißigstes Jahr darauf, dem Treiben derlebhaften Freunde mit seinen kleinen dunklen Augen wortlos zuzuschauen,er hatte den beobachtenden Zweiflerblick, aber in jeder strittigen Frag ewar sein kurzes fast unwilliges Ja oder Nein ein entscheidendes Urteil, °kes sich um Bereiche der Dichtung oder Menschenkunde, der Philosophi eoder Altertumskunde, der Mathematik oder sonst einer Wissenschaft derNatur oder des Geistes handeln mochte. Was und wann er etwas trieb,wußte niemand, gewiß war nur, daß er alles wußte, aber nur nutzbar machte«wenn der Meister ihm eine besondere Aufgabe zu lösen stellte. Seine ein-zige Beschäftigung schien, mit der spitzesten Zeichenfeder hunderte undaberhunderte seiner feinen gestrichelten Landschaften zu entwerfen. Siesind alle menschen- und tierleer, alle ort- und zeitlos, zeigen meist nur Was-ser, Stein und Gras, Bäume oder Sträucher, selten einen phantastischenBau in der Einöde von Felsen und Wäldern, aber immer sind sie von einemLicht erfüllt, das selbst in der Wolkenverschattung kalt und klar um dienackten Dinge steht. Fast anteillos scheint dieser Zeichner nur darauf be-dacht zu ergründen, welche unzähligen Möglichkeiten der Raumverteilungdas immergleiche Format des Blattes bietet, die Elemente seiner Natur sinunbewegt, sie schweigen von Gemüt und Gefühl im deutschen Sinne, sindnur Gewicht, Zeichen oder Grenze. Gleicher Art sind auch seine Urteile undRatschläge. Man denkt bei ihnen an die Weisungen alter Orakelsprüche, di cnur möglich sind wo eine Menschenart ihre Einsichten und Erfahrungennicht zu Nutzzwecken des Alltages verwendet, sondern aufspart für die Er-hellung dunkler Fragen und für die zarte Entscheidung, die sich gern m 1Doppelsinn einer Deutung birgt: nicht in der Weisung sondern in derWahl der Weisung liegt die Lösung des Lebensrätsels. Die vier Ritornell ein der siebenten Folge sind einige der wenigen dichterischen ErzeugnisseErnst Gundolfs, aber man wird auch aus ihnen die Einzigkeit dieser heuteso seltenen Menschenart erkennen.

Wenghöfer, der 1877 m Halberstadt geboren wurde, aber in Magdeburgaufwuchs, war bei weit größerer dichterischer Begabung von gleicher«Wesen: ein Einsamer, dessen strenge Lebenshaltung ohne jede hedon»'stische Lockerung blieb, ein unnachsichtiger Forderer an sich selbst»280