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darstellend (s. Abb. S. 10—13), gleissend niederleuchten. Die drei Fenster der Licht-wand sind durch die kompositionelle Einheit eines Glasgemäldes verbunden: in derrechtwinklig ausgebuchteten Marmornische liegt der strahlende Lichtquell des ganzenRaumes, das breite vierteilige Mittelfenster; es trägt auf schimmerndem schwarz-grünenBlumenplan den unergründlichen Brunnen, in den sich hier die nackte „Schönheit",den blauen Kranz im goldlackfarbenen Haar, durstig niederbeugt, aus dem dort diereichgewandete Wahrheit, den roten Reif um das blonde Haar, in ihrem Spiegel dasimmer neue Geheimnis aufzufangen sucht. Hinter ihnen wölbt sich auf verschränktemAstwerk in unzähligen roten Blütenringen das ungeheure brennende Rund des mensch-lichen Verlangens, der unstillbaren Sehnsucht, der flammenden Liebe und zu Seitenqualmen auf violenfarbenen Leuchtern „Harz und Santel" zum reinen, klaren, alles über-herrschenden Licht-Gelb des Himmels. Auf den kleineren Fenstern wallen vor denhellen smaragdenen Stämmen mit karminroten Blättern hinter inschriftgeschmücktenBannern hier Jünglinge und Männer in Leid, Harren und Gewissheit, dort Mädchen undFrauen in Hoheit, Ehrfurcht und Demut zu dem verheissenen Garten. Während dasMittelfenster und die Türen von einem lilafarbenen Marmor mit Goldmosaiken um-rahmt sind, werden die seitlichen Fensterbogen von blaugrünen Streifen umfasst. Dieebene Teilung der Wände ist oben durch einen breiten Fries von hellvioletten Rosen,unten durch ein mit goldenen Stäben geteiltes Eichenholzpaneel bedingt, das sich anden wesentlichen Stellen zu kräftigen Blatt-, Frucht- und Blumenornamenten von immerneuer Erfindung gestaltet, und an den vier grossen Teilungspfeilern zu reichgeformtenSockeln aufwölbt, die vier schöne — von Stichling modellierte — Bronzestatuen, alsDichtung, Musik, Malerei und Plastik versinnbildlichte, flügelumhüllte Engel tragen undüber denen sich, von Adlern gehalten, die Pracht geschnitzter Baldachine zur Deckerankt. Auf den Gurtbogen ranken die goldnen Rosenzweige weiter und breiten zubeiden Seiten breite Reihen goldner Rosen aus, deren Kelche die künstlichen Lichterfassen sollen; in ihrer Mitte aber ruht die eichenholzgeschnitzte Himmelsrose, in derein Reigen von Engeln um die dreimal wiederholten Worte kreist:GOTT UND DIE TRÄUME! GOTT UND DIE TRÄUME! GOTT UND DIE TRÄUME!Wenn unser Blick von diesem Zentrum des Saales wiederkehrt, ist plötzlich alles umuns her verwandelt: die veredelten Stoffe, die wir liebend betrachteten, die geschnitztenund geglätteten Hölzer, die Sand-, Marmor- und Edelsteine, die Bronzen und geschmie-deten Eisen, die getriebenen und gepunzten Goldarbeiten, die geprägten Leder, die ge-webten und gestickten Samt- und Seidenstoffe, die Gläser, die Schmelzwerke, Emaillen,Majoliken und Mosaike, alles verschwindet als Gegenstand und wird Sinn und Wortdes ganzen Werkes; die strengen Formen und Linien, in die der Künstler sie gebundenhat, in dem er jedem seine sachliche Kraft Hess und darum jedes um so kräftiger mitdem andern wirksam machte, sind nur noch die Gedanken eines einzigen Willens,der uns durchdringt; die flutenden und blitzenden Lichter, die brennenden und ein-sinkenden Farben, die bis zur höchsten Leidenschaft gesteigert, bis zum leisesten Wehgedämpft sind, vereinigen sich zu einem gewaltigen Einklang von Gold, Azur und Purpurund öffnen uns die tiefe Schau in die letzte Einheit des Raumes: Es ist das Opfer