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geiz stacheln. In solcher Umgebung gewann er die zweite wichtige Erkenntnis für dasWesen der Werkmittel: die Schätzung des Materials, das feine Verständnis für seineBesonderheit und Verwendung in der ihm gemässen Technik! Vor der sinnenfälligenGewissheit dieser Tatsache verwandelt sich der erwähnte Vorwurf des Rückgreifensauf die alten Meister auch in der besonderen Anwendung in uneingeschränktes Lob:er hat sich ihre wundervolle Genauigkeit in der handwerklichen Arbeit wieder er-worben und seine Erfahrung durch die Erforschung ihrer technischen Sachlichkeit sogefördert, dass er vor dem Schicksal der Romantiker bewahrt geblieben ist, die sich in
ihrer Liebe zum Mittelaltervielfach mit dem blossen Er-greifen der seelischen und for-malen Inhalte genügen Hessenund davon eine unüberwind-liche Schwäche in allen bil-denden Künsten behielten. Dieenglischen Präraffaeliten dage-gen waren ihm schon bessereFührer auf diesem Wege: siehatten freilich erst durch dieRomantiker gelernt, dass in derErneuerung der Kunst zugleichdas Problem einer Neuschöp-fung des Lebens einbegriffenliege, aber in der ausführendenArbeit wieder mit dem Hand-werk begonnen und bis zurPeinlichkeit alles vermieden,was fabrikmässig oder nichtvon ihren Händen hergestelltworden war. Denn wie derDichter das Wort, so muss der
dem Gestaltung geben; und daMelchior Lechter sie wie jeneliebt — sei es der edelste Steinoder der schlichteste TropfenFarbe — mit der innigen Em-pfindung ihrer unersetzlichenKostbarkeit im Gefüge einesGanzen, wo das Wertvollste unddas Wertloseste zu gleich wich-tigen Trägern der Träume wer-den, so wird er nicht müde, ihreSonderwerte zu erforschen,um ihnen die grössten inne-wohnenden Reize zu entlok-ken. Die Eigenart der Hölzerin ihren trockenen oder feucht-schimmernden Maserungen,die hellen und dunklen Glänzeder Metalle, die kühlen oderwarmen Töne der Steine, Ton-erden, Gläser bis zu den Wir-kungen der Edelsteine, derenmugeligen Schliff er dem facet-
bildende Künstler die Stoffe aS C ™o™e^d ™^ tierten fast immer vorzieht, sind
lieben, die seinen inneren Bil-
ihm ebenso vertraut wie die
FREUNDE" 1909
gewirkten und gewebten Stoffe, und wie sein sicheres Auge ihre schwere oder leichtePracht nach dem bestimmten Zwecke sichtet, so tasten seine empfänglichen Finger überdie herben und weichen Reizungen der Papiere und Pergamente und stimmen nachihrem Wohlgefühl die gemeinsamen Harmonien der Teile ab. Ebenso wesentlich aberwie diese Ausbildung des feinen Gefühls für die Eigentümlichkeiten der Dinge ist fürihn die Kenntnis von ihrer Bereitung und Verwendung. Wo seine Hände die Stoffenicht selber zuzurichten vermögen, sucht er so tief als möglich in die mechanischeoder handwerkliche Arbeit einzudringen, damit er genau das Mass seiner Ansprüchean die ausführenden Kräfte stellen und jede Abweichung von der gestellten Aufgabe