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Trauerrede bei der Gedenkfeier für den verewigten Rabbiner Dr. Salamon Ranschburg am 24. Jänner 1895 = 28. Tebeth 5655 :
(am Stiftungsfeste der Chewra-Kadischa)
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in der der Verewigte nach damaliger Lehrweise seinenersten, grundlegenden Unterricht erhielt. Mit Noth undArmuth kämpfend, lernte er frühzeitig den Ernst desLebens kennen und unmittelbar nach erreichtem 13.Lebensjahre, da die Kinder in unseren Tagen erst rechtdie Fürsorge der Eltern geniessen, zieht er, Gott imHerzen, des Vaters Segen auf dem Haupte und ein vonliebender Mutterhand geschnürtes Bündelchen unterdem Arme, hinaus in die wilde, unbekannte Fremde.Die Jeschibah des berühmten R. Ahron Kornfeld inJenikau, des hervorragenden Kenners des Talmud, bil-det das Ziel seiner Wanderung. Es war später Herbst,als der zarte, schwächlichgebaute Knabe das Haus derEltern verliess und nach unsäglichen Mühen, überschneebedeckte Bergwälder und eisige Landstrassen, hieund da von einem mitleidigen Fuhrmann für eine kleineStrecke auf sein Wägelchen genommen, am Ziele seinerheissen Wünsche anlangte.

Fünf Jahre blieb er hier, hungernd und nothleidend,aber in heiligem Eifer ausschliesslich dem Studium derThora und des Talmud hingegeben. Buchstäblich sinddie Bedingungen, die unsere Alten zur Erwerbung tieferGelehrsamkeit aufzählen, während seiner Lernzeit ihm

כך היא דרכה של תורה פת במלח תאכל: zur Wahrheit gewordenWillst du die Gotteslehre וכו' וחיי צער תחיה ובתורה אתה עמל

kennen, in ihre Tiefen eindringen, zu ihrer Sonnenhöhedich emporschwingen, wohlan, dann entsage jedem, demkleinste Genusse selbst: kärglich sei dein Brod, zuge-messen dein Trank, auf der Erde lerne schlafen, deinLeben sei Entsagung und so mühe dich, mühe dichum die Erforschung des Schriftthumes.<<( Aboth VI, 4.)Nur dieses darf dein Denken und Trachten ausfüllen,nur die völlige Hingabe an dasselbe wird seinen Edel-gehalt deinem Geiste erschliessen, nur dieses muss deineWonne sein und dein Begehr, deine Lust und deineFreude, deiner Tage Arbeit und deiner Nächte Mühsal.Der üppig bestellte Tisch, der weiche Pfühl, ein behag-