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Trauerrede bei der Gedenkfeier für den verewigten Rabbiner Dr. Salamon Ranschburg am 24. Jänner 1895 = 28. Tebeth 5655 :
(am Stiftungsfeste der Chewra-Kadischa)
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dass man sie darstellt als ein Muster den kommendenGeschlechtern und dass man preisend redet von ihremRuhme und ihren Tugenden. In schmerzbeglückter Brusthegen wir ihr Gedächtniss, und dieses wird uns zumVermächtniss, welches wir vollstrecken jeder Einzelndadurch, dass wir ihren Gedanken nachdenken, ihremLeben nachleben. So sind sie dann nie ein Vergangenes,sondern bleiben immer ein Gegenwärtiges, so sind siedann nie gestorben, sondern wandeln unter uns, völligals wenn sie am Leben wären.

Ein solcher Mann war unser greiser, ehrfurcht-gebietender Lehrer. Diese Stunde gehört ihm und indemwir sie seinem Gedenken weihen, möge sie uns stärkenund heiligen und uns trösten mit dem erhabenen Vor-satze, zu schreiten in seiner Lichtspur, zu arbeiten inseinem Geiste, für Gott und Judenthum, für die Mensch-heit und die Gemeinde.

Gedenkreden halten, heist: Lobreden halten. Dennnur einem Menschen, der würdig ist des Lobes, widmetman in feierlicher Zusammenkunft Gedanken der Pietätund Worte des Schmerzes. Selbst Fehler und Mängel

ועל כל פשעים תכסה, werden in solcher Stunde nicht gesehen

ллN( Spr. 1012)» denn die Liebe, sie breitet verdeckendeHüllen darüber<<.

Meine trauernden Zuhörer! So wir aber vonSALAMON RANSCHBURG reden, um sein Andenken zu feiern,wahrhaftig, wir brauchen nicht zu fürchten, dass dieLiebe uns besticht und blendet, denn sein Leben warrein und makellos, sonder Falsch und Fehl. Offen, wieein weitaufgeschlagenes Buch, liegt sein Charakter undsein Wirken vor uns und nicht das schärfste Auge,nicht das strengste Urtheil, nicht die rücksichtslosesteKritik vermöchte da einen dunklen Punkt zu finden;der kleinlichste Splitterrichter selbst, vor seinem Namenmuss er stumm und bewundernd sich beugen. Mit freu-digem Stolze kann von ihm behauptet werden, dass er