10
unserer Dome, die Maler, Minnesänger und Dichter.Nur zu bald musste sich daher bei den Einsichtsvollerender Gedanke Raum brechen, dass es eine bestehendevernünftige Weltordnung giebt, welche die Grund-bedingung aller Harmonie und Schönheit ist und dassdie Umsturzbestrebungen mit ihrer Gleichmacherei dieMannigfaltigkeit zerstören, von der alles Schöne bedingtist, und dass sie mit ihrem prosaischen Mechanismusalle freie Bewegung des Geistes hemmen.
In den vorhin gezeichneten Herolden des Um-sturzes und der Verneinung erkennen wir leicht dieSänger Heinrich Heine, Nicolaus Lenau, Gottfried Kinkel,Franz Dingelstedt, Georg Herwegh, Carl Beck, MoritzHartmann, Alfred Meissner wieder.
Im grellen Gegensätze zu dieser Schule des Welt-schmerzes und der Verneinung steht eine charakte-ristische Gruppe, die sich eng an den heimathlichenBoden anschloss und dem deutschen Volke im Spiegelder Dichtkunst den Zauber vergangener, glücklicherTage in Sage und Geschichte, Vergangenheit und Gegen-wart in zufriedenem Lichte zeigte und deren Lieder,Balladen, Romanzen und epische Gesänge das deutscheNationalgefühl in ganz besonderem Maasse zu belebenund zu begeistern bestimmt waren.
Diese Dichtergruppe war — Gott sei Dank — unbe-rührt geblieben von der Verfolgungstendenz der Zweiflerund Umstürzler und hatte zeitig erkannt, dass dieSchilderhebung der Volkstriebe zur Verrohung führenund die angestrebte soziale Nivellirung jeden Wetteiferlähmen müsse. Sie wandte sich ebenfalls den nationalenStoffen zu, aber sie erkannte nur die edelsten Offen-