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1) frei vom Zwange irdischer Gewalten.Wollen wir diesen ersten Zug in dem Bilde unseres Weisenso recht im Lichte schauen, so müssen wir uns das Zeitalterlebhaft vorstellen, in welchem er lebte. Es war das Zeit°alter der Sclaverei. Die Griechen und Römer hatten ihremoralische Freiheit vollständig verloren. Das Laster warüberall zur Herrschaft gelangt, und es fehlte blos noch, wieein Dichter sagt, daß man ihm Tempel und Altäre widmete.Sinnliche Lust, kleinlicher Ehrgeiz, Geld, Verschwendungdurch Putz und Narrheiten aller Art, das waren mächtigeHebel geworden, mit denen das Volk allein sich leiten ließ;das waren die Quellen, aus denen man das wahre Glückschöpfen wollte, leider aber nur einen flüchtigen Rausch fand,welcher oft die bitterste Reue zurückließ, die man wieder da-durch übertäubte, daß man sich in einen neuen Rausch hinein-stürzte. In dieser Zeit sittlicher Sclaverei ragt Epictetwie ein Fels aus den Wogen des Meeres empor. Er-zeigte seiner Mitwelt durch Wort und That, wie mandurch irdische Gewalten nie züm Knecht herabsinken müsse.Er legte sich freiwillig Entbehrungen auf, als er zu Nico-polis lebte; er schlief auf hartem Lager, er aß kärglich;er kleidete sich höchst einfach. Sein Hausrath war aufdas Nothwendigste beschränkt, und als ihm seine eiserneLampe gestohlen wurde, kaufte er blos eine thönerne, da-mit der Dieb nicht wieder Verlangen darnach bekommensolle. Als er im Sclavensiande von seinem Herrn gemiß-handelt wurde, ertrug er dies mit der größten Seelen-ruhe, und als ihn Domitian aus Rom verbannte, ergriffer seinen Wanderstab so freudig, wie Einer, der im Be-griff ist eine Vergnügungsreise anzutreten. Weder eitleEhre noch Habsucht, weder Genuß noch Entbehrung, weder