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„Hast Du nie mit ihm an seiner Tafel über dieReligion, über den Katholicismus gesprochen?"
„Selten. Er sprach nicht gern über religiöse Dinge.Er meinte, die Religion habe zwei Seiten. Die eine be-treffe das Verhaltniß des erschaffnen Geistes zu Gott.Und das müsse Geheimniß bleiben vor den andern Men-schen. Jede Menschenseele habe ihr eigenthümliches, mehroder minder inniges, mehr oder minder klares Verhaltnißzu ihrem Schöpfer, je nach dem sein Bild, sein Geist inderselben sich wiederspiegle. Dieses Verhältnis müsse sichin der Stille und im Frieden bilden; jeder müsse die ihmvon der Kirche dargebotnen Mittel benützen, soweit sieseinem Bedürfniß entsprächen, und müsse vor nichts sichmehr hüten, als das Glaubensleben seiner Brüder, diesesangeborne Recht, welches jede Seele von ihrem Schöpferselbst bekommen hat, anzutasten, oder zu verkümmern."
„Da siehst Du ja gleich ihr laues Treiben. WärenLuther und Melanchthon Freimaurer gewesen, wir hättennie eine Reformation gehabt."
„Bitte, lieber Freund, hör mich weiter! Eben weilman jedem Geiste es frei stellen muß, sein religiöses Be-dürfniß durch Forschen zu befriedigen, deshalb muß auchdie Bibel, dieses in seinen Lehren wahrhaft göttliche Buchfrei sein. Aber die Zeit vor der Reformation war dieGefangenschaft der Bibel. Man entriß den Gläubigendas schönste Mittel, sich zu weihen, zu trösten, und vondieser Tyrannei, sagte mein Freund, hat uns Euer Lutherbefreit, den ich hoch verehre. Ueberhaupt schwärmte erfür die Reformation, insofern sie das Recht eigner Prüfung,Forschung und ruhiger Entwickelung dem Volke zurückge-geben habe."